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	<title>Инго Дауммер</title>
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	<pubDate>Thu, 03 Mar 2011 09:44:10 +0000</pubDate>
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		<title>Bilder für jetzt</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Oct 2010 08:12:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Без рубрики]]></category>

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		<description><![CDATA[Seminar zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur: Wie deutet sich die Jetzt-Zeit? Anhand ausgewählter Texte erschließt sich den Lesern eine Diagnose, die originell und erstaunlich wagemutig ist.
Wie oft wurde der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur vorgeworfen, es fehle ihr an Dringlichkeit. Nicht immer war der Vorwurf unbegründet. Selten aber war er so verfehlt wie heute, gut zwei Jahrzehnte nach dem Mauerfall. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Seminar zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur: Wie deutet sich die Jetzt-Zeit? Anhand ausgewählter Texte erschließt sich den Lesern eine Diagnose, die originell und erstaunlich wagemutig ist.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Wie oft wurde der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur vorgeworfen, es fehle ihr an Dringlichkeit. Nicht immer war der Vorwurf unbegründet. Selten aber war er so verfehlt wie heute, gut zwei Jahrzehnte nach dem Mauerfall. Das postideologische Vakuum, das nach dem Ende der alten Weltordnung zu einer gewissen Lähmung geführt zu haben schien, ist einer kraftvollen und hochinteressanten Zeitdiagnostik gewichen. Längst erfüllt die Literatur ihre genuine Aufgabe, Seismograf zu sein. Sie liefert Bilder, die über den Moment hinaus bestehen und die mehr wagen, auch mehr wagen müssen, als der klügste Leitartikel; Bilder, die ins Herz der unbekannten Gesellschaft treffen, in der wir leben.</p>
<p style="text-align: justify;"><img class="alignleft" style="float: left;" src="http://www.bilder-hosting.de/img/V1GZG.jpg" alt="" width="540" height="304" /></p>
<p style="text-align: justify;">Die Rede ist keineswegs von einem neu erwachten Engagement der Literatur oder ihrer plumpen Repolitisierung. Die Rede ist von ernsthaften, sarkastischen, skeptischen, schwärmerischen, heiteren Zeitbildern, von poetischen Entwürfen komplexer Situationen und Szenerien. Man muss allerdings bereit sein, als Leser (und als Kritiker) selbst zum Deuter zu werden, muss einen Schritt zurücktreten, um den Interpretationsangeboten zwischen den Zeilen auf die Schliche zu kommen. Dann wird man merken, dass nicht nur »etwas« erzählt wird, sondern dass erzählend gedacht wird; dann erspürt man die übergeordneten Prägungen, die Implikationen »hinter« den Tableaux der äußeren Handlung.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein extrem wagemutiges Beispiel einer solchen Zeitdiagnostik hat Lutz Seiler mit der Titelerzählung seines viel gelobten Bandes <em>Die Zeitwaage</em> geliefert. Angesiedelt ist die Erzählung in jener merkwürdigen Übergangszeit Ost-Berlins zwischen der Öffnung der Grenze und der endgültigen staatlichen Vereinigung beider Deutschlands. Der Erzähler, ebenfalls in einem <em>rite de passage</em> befindlich - vom Maurer zum Schriftsteller -, lernt in einer Kneipe, wo er als Kellner jobbt, einen Arbeiter kennen; nicht irgendeinen Arbeiter, sondern den Arbeiter schlechthin. Der Mann gehört einer Brigade an, die in der Nähe der Kneipe die Straßenbahn-Oberleitung repariert. Täglich kommt er vorbei, nimmt ein Frühstück mit Weinbrand zu sich und legt dabei seine schöne Uhr ab, die golden im Aschenbecher schimmert, das melancholische Stillleben einer verlorenen Zeit.</p>
<p style="text-align: justify;">Später erfährt man, dass der Frühstücksgast niemals zahlt, doch der Erzähler beklagt sich nicht. Für ihn ist der Arbeiter mit dem kräftigen Griff eine Jesusfigur und er selbst so etwas wie sein Jünger. Den Gastraum durchquert der Arbeiter, »als ginge er über Wasser«. »Alles, was er tat, trug die Zeichen jener Gravität, wie ich sie, das konnte ich eingestehen, selbst nie erreicht hatte. Nie hatte ich Eingang gefunden in den inneren Kreis der Arbeiterschaft, ihre heilige Sphäre.« Unheimlich dann die Formulierung, in einem »überalterten Kabel« ströme »ein Höchstmaß an Gnade«. Man ahnt, dass der Arbeiter sterben muss; der furchtbare Unfall ist unvermeidlich. Die ideologisch missbrauchte Ikone, der Arbeiter, wird nicht buchstäblich, aber doch symbolisch ans Kreuz geschlagen. Das ist eine denkbar traurige, verschlüsselte, überladene Form, den real existierenden Sozialismus zu verabschieden. Man wird künftig am Hackeschen Markt, denn dort stirbt dieser Arbeiter-Jesus, nicht mehr vorbeigehen, ohne an Seilers geheimnisvolle Geschichtsparabel denken zu müssen.</p>
<p style="text-align: justify;">Der großen Rätselfrage, wie Gegenwart und Vergangenheit ineinandergreifen, muss sich die Literatur stellen, und wie man sieht, ist sie dabei alles andere als zaghaft. Das Verhältnis von Schicksal und Charakter, von System und Subjekt, bleibt kompliziert über das Ende des geteilten Staates hinaus. Dass die jüngeren Schriftsteller nicht mehr die ideologischen Gräben der Eltern- und Großelterngeneration überbrücken müssen, dass sie längst in »einem« Land leben und ihre Alltagserfahrungen sich überschneiden, ist evident. Doch heißt das nicht, dass die Gespenster der Vergangenheit nicht dennoch ihr Unwesen treiben.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Sachse Clemens Meyer, geboren 1977, ist vierzehn Jahre jünger als der Thüringer Lutz Seiler. Auch bei Meyer wirft die Vorgeschichte ihre Schatten und ihr Schimmern auf die Gegenwart, aber das Schimmern ist stumpf geworden. Schon in seinem Debüt <em>Als wir träumten</em> hat Meyer gezeigt, wie wenig der untergegangene Staat ihm bedeutet. Unlängst erschien Meyers Tagebuch <em>Gewalten</em>; darin findet sich die Schlusserzählung mit dem traditionsreichen Titel <em>Draußen vor der Tür,</em> die uns wieder nach Leipzig-Ost führt, in eine warme Nacht. Herr und Hund gehen kurz vor die Tür; der Hund ist alt und krank. Als sie zurückkommen, ist die Wohnungstür zugeschlagen, der Schlüssel liegt drinnen, das Tier kann sich kaum auf den Beinen halten, es bleibt dem Erzähler nichts anderes übrig, als bei sich selbst einzubrechen. Das ist die Ausgangslage, aus der sich in klaren, schönen Assoziationsbögen das detaillierte Porträt des Hauses und seiner tristen Bewohner entwickelt, dann des Stadtteils und der Familie des Erzählers.</p>
<p style="text-align: justify;">Niemand wird geheiligt bei Meyer, kein Arbeiter und keine zuschanden gerittene Utopie. Doch am Ende wird auch hier getrauert, um den treusten Gefährten, den eingeschläferten Hund: »Kurz bäumt er sich auf, öffnet den Mund, ich lege meine Hand hinein, will, dass er mich wittert in seinen letzten Sekunden. Und er wird ruhig, ich kann den Moment spüren, seine Zähne berühren meine Haut. Er ist weg.«</p>
<p style="text-align: justify;">Einer wie Uwe Tellkamp <em>(Der Turm)</em> hat aus der DDR noch den Furor der Ablehnung gezaubert; seine Zeitbilder sind getragen vom revolutionären Pathos einer Geschichtsgewalt, die bis in die Gegenwart abstrahlt. Clemens Meyer geht den anderen Weg. Die Reflexe der »Zonenzeit«, so nennt er das, kommen nur noch als Worthülse und Groteske vor, als trauriger Witz. Das Kollektiv mit seinen falschen Tönen hat Meyer abgeschüttelt; dem Menschen als einsamem Kämpfer gilt seine Empathie, eine »amerikanische« Erzählhaltung, angewandt auf neudeutsche Zustände.</p>
<p style="text-align: justify;">Als die Rumäniendeutsche Herta Müller den Literaturnobelpreis bekam, wurde schlagartig klar, wie weit die deutsche Gegenwartsliteratur nach Osten ausgreift; mental, geografisch, historisch. Herta Müllers Deutsch konserviert die Melodien des untergegangenen k.u.k.-Reichs und führt Metaphern wie »Atemschaukel« oder »Hungerengel« in die deutsche Literaturlandschaft ein; Metaphern, die, als Zeitbilder begriffen, wie schützende Kapseln wirken gegen die Erfahrungen von Verfolgung und Bedrohung im Kommunismus. Zugleich hat aber auch die alte Bundesrepublik zu existieren aufgehört, und es spricht einiges dafür, dass die Deutungen dessen, was der deutsche Westen war - oder gewesen sein könnte -, gerade erst richtig Fahrt aufnehmen.</p>
<p style="text-align: justify;">Man erinnert sich noch des Gemeckers einiger Neubundesbürger nach 1989, die sich vom plötzlichen »Überfluss« des Warenangebots »überfordert« wähnten; während ein Jahrzehnt später eine Handvoll Upperclass-Burschen aus dem Westen sich anheischig machte, Luxusmarkenfetischismus als ästhetische Avantgarde zu verkaufen. Wer sich der Warenwelt literarisch nähert, betritt vermintes Terrain. Die Spanne ist weit zwischen vulgärmarxistischen Beharrungskräften und der selbst verordneten Sorglosigkeit der Popkultur. Wenn David Wagner, geboren Anfang der liberalen siebziger Jahre und aufgewachsen im Rheinland, heute einen Roman schreibt, in dem nichts anderes »passiert«, als dass der Erzähler einen Berliner Supermarkt betritt, einkauft und den Supermarkt wieder verlässt, dann ist das per se ein Statement: nämlich ein Understatement.</p>
<p style="text-align: justify;">Gleich in der ersten Zeile seines jüngsten Romans <em>Vier Äpfel</em>  gibt Wagner sich als Proust-Leser zu erkennen (»Lange bin ich gar nicht gern in den Supermarkt gegangen«), um sofort die Tonlage zu wechseln: »Heute aber trete ich durch die leise zur Seite gleitende Schiebetür und sehe gleich den Rücken meiner Lieblingskassiererin an der Kasse links, ich erkenne sie an ihrem langen, blonden, gewellten Haar.« Dieser Autor ist kein Yuppie, dem das Justemilieu empörte Blicke zuwerfen könnte. Keine konservative Koketterie ist da zu entdecken, kein ästhetischer Hochmut, sondern eine radikal entspannte, ironisch durchgefärbte Melancholie.</p>
<p style="text-align: justify;">Angesichts der in Plastik eingeschweißten Lebensmittel denkt der Erzähler der <em>Vier Äpfel</em> unwillkürlich an die »halb verrosteten Waagen« der Händler auf dem Markt seiner Kindheit, die ersetzt wurden durch elektronische; oder er erinnert sich der Obstfelder, »die in Sichtweite unseres Atomkraftwerks lagen«, das seinerseits gesichert war »wie die innerdeutsche Grenze«. Nicht dass dieser Anti-Antikapitalismus kritiklos wäre. Doch vermeidet Wagner alles, was nach Weltanschauung klingen könnte. Er schafft es, die Ware - nicht zu verwechseln mit der »Marke« - für die Literatur zu rehabilitieren. Die Ware ist weder gut noch schlecht, sondern vielsagend. So vielsagend, dass im Anti-Idyll des Supermarkts eine Versöhnung erfolgt von verlorener und wiedergefundener Zeit.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein Autor, der es aufnimmt gerade mit den Weltanschauungsresten seiner Generation, mit der Kritik an »den Verhältnissen« bis hin zu ihrer Pervertierung im Terrorismus, ist Ulrich Peltzer. Geboren 1956 in Krefeld, nimmt Peltzer zurzeit eine Ausnahmeposition ein - denn was er wagt, wagen wenige: politische Theorie und Praxis buchstäblich auf den Ruinen der deutschen Vergangenheit zu errichten.</p>
<p style="text-align: justify;">Eine Allegorie öffentlicher Videoüberwachung eröffnet Peltzers Roman <em>Teil der Lösung</em> . Wir befinden uns am touristischen Knotenpunkt des Potsdamer Platzes, im Sony Center, genauer: in jenem fensterlosen Raum, in dem die Monitore von Angestellten einer Sicherheitsfirma überwacht werden. Die Männer hocken im Dunkeln wie in einer Camera obscura, nur dass kein Licht von außen durch eine Blende in den Raum geworfen wird, sondern die Bilderflut der Überwachungskameras: »Nicht ganz real, auch weil die Bilder flach sind, keine Tiefenschärfe haben, als würde es nur um den Vordergrund gehen. Vordergründe im Quadrat, die sich staffeln, überlagern, ergänzen, ohne einen blinden Fleck zu lassen, Raum für Spekulation.«</p>
<p style="text-align: justify;">Der Tourismus als Wirtschaftsfaktor und Sicherheitsproblem, das ist die Lage, auf die eine allgegenwärtige Überwachungstechnik aufgesattelt wurde, an der wenige sehr viel Geld verdienen und die längst die bürgerliche Freiheit aushöhlt. Plötzlich entdeckt der Securitymann auf einem der Monitore einen Clown, umringt von einer Menschentraube, und rotbackige Ballerinas, die Pappschilder in Richtung Kamera hochhalten mit Sprüchen wie »Alles nur ein Spiel!« oder »Ist die Welt nicht schön?«. Das ist die Aktion einer Gruppe, die dem anschwellenden Überwachungswahn gezielt Widerstand entgegensetzt. Es klappt: Der Aufpasser gibt den »Warnruf«. Die herbeigerufene Polizei glänzt durch Berliner Schnodderigkeit. Und die Aktion hat ihr Ziel erreicht: den Apparat zu entlarven.</p>
<p style="text-align: justify;">Die vielleicht kühnste Zeitdiagnose der letzten Jahre gibt die virtuose österreichische Pessimistin Marlene Streeruwitz in ihrem Roman <em>Kreuzungen</em>. Sie hat den bösen Blick, begleitet von analytischer Tiefenschärfe und barocker Fantasie: Max - eher Antiheld als Held - ist kein Normalsterblicher, den im besten Mannesalter eine vulgäre Midlife-Crisis ereilt, sondern ein hochrangiger Vertreter der spekulierenden Finanzkaste, der sich verwandeln möchte. Eine Monade ist dieser Geldmensch, ein psychischer Panzer, ein Libidokrieger, der die Welt sich zu unterwerfen gewohnt ist; ob im Bordell, wo er genaueste Anweisungen zur Befriedigung seiner fetischistischen Lüste gibt, oder in der Ehe, die er kalt auflöst, oder in der Luxusklinik, in der er sich das Gebiss erneuern lässt. Der Einzige, der Max in den Griff bekommt, ist ein »Kotkünstler« namens Gianni.</p>
<p style="text-align: justify;">Der symbolische Zusammenhang von Geld und Ausscheidung hat die Psychoanalyse hinreichend beschäftigt, und es ist faszinierend, zu sehen, wie Streeruwitz hier anknüpft. In einem venezianischen Renaissance-Palast, wo Max sich von seiner Mundoperation erholt, ergibt sich ein merkwürdiges Arrangement: »Mit dem Auftrag von ihm, ein Rautenmuster zu versuchen, war Gianni zum Führer geworden.« Denn: Gianni kackt für Max jedes Muster. »Der Mann verfolgte das vereinbarte Ziel mit einer Ausschließlichkeit, die er noch nie bei jemandem anderen angetroffen hatte. So konnte er sich selbst an Gianni beobachten.« Das versetzt den steinreichen Mann »in philosophische Stimmung«, und dafür hält er den Künstler aus.</p>
<p style="text-align: justify;">All diese in Metaphern, Parabeln und Allegorien komprimierten Bilder für jetzt sind herausfordernde Zeitdiagnosen en miniature. Ob Sexus, Geld und Fetischismus amalgamiert werden zu einer fast schon altmodisch zu nennenden Kapitalimuskritik; ob die Ruinen der überwachten Demokratie wie in einer Camera obscura uneindeutig aufflackern; ob der schnöde Supermarkt zum Tempel der wiedergefundenen Zeit wird; ob der Mensch einsam bleibt in seiner Trauer um ein Tier; oder ob dem Arbeiter, dieser von der sozialistischen Wirklichkeit geschundenen Ikone, ein Denkmal errichtet wird: Die deutschsprachige Gegenwartsliteratur ist auf der Höhe ihrer Zeit und muss den internationalen Vergleich nicht scheuen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Schwerpunkt im Seminar ist zudem das sprachlich umsetzbare Erlangen literaturwissenschaftlichen Handwerkszeugs in deutscher Sprache und die Erarbeitung grundlegender Fachtermini zur Beschreibung und Einordnung von Literatur.</strong></p>
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		<title>Sagen des klassischen Altertums</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Jun 2010 02:09:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Без рубрики]]></category>

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		<description><![CDATA[Immer ist der Betrachter mitsamt seinem geschichtlichen, kultur- und geistesgeschichtlichen Horizont und Standpunkt  bereits von dem geschichtlichen Strom eingeholt, der in seiner Tiefe von den beiden geistigen Größen Antike und Christentum bestimmt ist, so scheint es. Die klassischen Sagen des Altertums bilden eine der beiden Grundfesten, auf denen unsere abendländische Kultur bis heute beruht. Im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Immer ist der Betrachter mitsamt seinem geschichtlichen, kultur- und geistesgeschichtlichen Horizont und Standpunkt  bereits von dem geschichtlichen Strom eingeholt, der in seiner Tiefe von den beiden geistigen Größen Antike und Christentum bestimmt ist, so scheint es. Die klassischen Sagen des Altertums bilden eine der beiden Grundfesten, auf denen unsere abendländische Kultur bis heute beruht. Im literarischen und philosophischen Diskurs ziehen sie sich seither als roter Faden von damals bis heute durch eben diesen und hinein in unser modernes europäisches Existenzbewusstsein. Insofern bedingen den Betrachter die seit dem Altertum bewusst geführten Auseinandersetzungen mit der antiken Sagen- und Götterwelt in ihren zahlreichen geschichtlichen Variationen und Brechungen bis heute.</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><img class="alignleft" style="float: left;" src="http://www.bilder-hosting.de/img/LXH4E.jpg" alt="Prometheus bringt der Menschheit das Feuer - Heinrich Füger (1817)" width="330" height="471" />In diesem Seminar sollen die <em>schönsten Sagen des klassischen Altertums</em> als eine Sammlung überlieferter Mythen aus dem Griechenland der Antike, die der deutsche Schriftsteller Gustav Schwab in den Jahren 1838 bis 1840 in drei Bänden herausgab, vorgestellt werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Im Seminar wird eine Vielzahl der Sagen des klassischen Altertums  vorgestellt und interpretiert. Exemplarisch wird ihre Bedeutung  für unser Kulturverständnis und ihre Wichtigkeit für die Literaturinterpretation  herausgearbeitet. Im zweiten Teil vermittelt das Seminar Ansätze zur Mythen- interpretation und Mythenrezeption vor dem sich wandelnden geistesgeschichtlichen Hintergrund durch die wichtigsten Epochen der Literaturgeschichte. Im dritten Teil wird die seit dem Altertum geführte Auseinandersetzung zwischen den beiden bestimmenden und konträren geistigen Strömungen ‘Antike&#8217; und  ‘Christentum&#8217; untersucht. Abschließend werden dann Fragen zu unserem ‘historischen Existenzbewusstsein&#8217; diskutiert. Insbesondere geht es dabei um  verschiedenartige Formen &#8216;historischen Existenzbewusstseins&#8217;, d. h. des Wissens und Bewusstseins der Menschen von der sie selbst und die Menschenwelt, mit welcher sie sich eins wissen und fühlen, betreffenden Geschichte und die für uns heute ableitbaren Überzeugungen, durch die die Antike mit ihren klassischen Sagen unsere Kultur geprägt hat.</p>
<p style="text-align: justify;">Begeben Sie sich mit uns auf die Reisen der Helden und Götter, denen fast jedes Kind mit Schwabs Sammlung seit ihrem Erscheinen gefolgt ist &#8230; und in deren Kampf so viele Gymnasiasten im altsprachlichen Unterricht auf ihre Weise, verstrickt  zwischen Grammatik und Versmaß, „mitgefochten&#8221; haben!</p>
<p style="text-align: justify;"> </p>
<p style="text-align: justify;"><em>Himmel und Erde waren geschaffen: das Meer wogte in seinen Ufern, und die Fische spielten darin; in den Lüften sangen beflügelt die Vögel; der Erdboden wimmelte von Tieren. Aber noch fehlte es an dem Geschöpfe, dessen Leib so beschaffen war, daß der Geist in ihm Wohnung machen und von ihm aus die Erdenwelt beherrschen konnte. Da betrat Prometheus die Erde, ein Sprößling des alten Göttergeschlechtes, das Zeus entthront hatte, ein Sohn des erdgebornen Uranossohnes Iapetos, kluger Erfindung voll. Dieser wußte wohl, daß im Erdboden der Same des Himmels schlummre; darum nahm er vom Tone, befeuchtete denselben mit dem Wasser des Flusses, knetete ihn und formte daraus ein Gebilde nach dem Ebenbilde der Götter, der Herren der Welt. Diesen seinen Erdenkloß zu beleben, entlehnte er allenthalben von den Tierseelen gute und böse Eigenschaften und schloß sie in die Brust des Menschen ein. Unter den Himmlischen hatte er eine Freundin, Athene, die Göttin der Weisheit. Diese bewunderte die Schöpfung des Titanensohnes und blies dem halbbeseelten Bilde den Geist, den göttlichen Atem ein.</em></p>
<p style="text-align: justify;"><em>So entstanden die ersten Menschen und füllten bald vervielfältigt die Erde. Lange aber wußten diese nicht, wie sie sich ihrer edlen Glieder und des empfangenen Götterfunkens bedienen sollten. Sehend sahen sie umsonst, hörten hörend nicht; wie Traumgestalten liefen sie umher und wußten sich der Schöpfung nicht zu bedienen. Unbekannt war ihnen die Kunst, Steine auszugraben und zu behauen, aus Lehm Ziegel zu brennen, Balken aus dem gefällten Holze des Waldes zu zimmern und mit allem diesem sich Häuser zu erbauen. Unter der Erde, in sonnenlosen Höhlen, wimmelte es von ihnen, wie von beweglichen Ameisen; nicht den Winter, nicht den blütenvollen Frühling, nicht den früchtereichen Sommer kannten sie an sicheren Zeichen; planlos war alles, was sie verrichteten. Da nahm sich Prometheus seiner Geschöpfe an; er lehrte sie den Auf- und Niedergang der Gestirne beobachten, erfand ihnen die Kunst zu zählen, die Buchstabenschrift; lehrte sie Tiere ans Joch spannen und zu Genossen ihrer Arbeit brauchen, gewöhnte die Rosse an Zügel und Wagen; erfand Nachen und Segel für die Schiffahrt. Auch fürs übrige Leben sorgte er den Menschen. Früher, wenn einer krank wurde, wußte er kein Mittel, nicht was von Speise und Trank ihm zuträglich sei, kannte kein Salböl zur Linderung seiner Schäden; sondern aus Mangel an Arzneien starben sie elendiglich dahin. Darum zeigte ihnen Prometheus die Mischung milder Heilmittel, allerlei Krankheiten damit zu vertreiben. Dann lehrte er sie die Wahrsagerkunst, deutete ihnen Vorzeichen und Träume, Vogelflug und Opferschau. Ferner führte er ihren Blick unter die Erde und ließ sie hier das Erz, das Eisen, das Silber und das Gold entdecken; kurz, in alle Bequemlichkeiten und Künste des Lebens leitete er sie ein.</em></p>
<p style="text-align: justify;"><em>(Prometheus)</em></p>
<p style="text-align: justify;">  </p>
<p><a href="http://www.textlog.de/sagen-altertum.html"><span style="color: #800000;">http://www.textlog.de/sagen-altertum.html</span></a></p>
<p><a href="http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&amp;xid=2554&amp;kapitel=1#gb_found"><span style="color: #800000;">http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&amp;xid=2554&amp;kapitel=1#gb_found</span></a></p>
<p><a href="http://www.tokado.at/heldensagen/index.html?http://www.tokado.at/heldensagen/kap9_orestes1.htm"><span style="color: #800000;">http://www.tokado.at/heldensagen/index.html?</span></a></p>
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		<title>Altgriechisch Convention</title>
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		<pubDate>Wed, 05 May 2010 09:59:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Без рубрики]]></category>

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		<description><![CDATA[Was macht eigentlich einen guten Germanisten aus? Neben den Sprachkenntnissen und dem linguistischen Handwerkszeug,  lautet die einfache Antwort, sind dies fundierte Kenntnisse des Latein, der Bibel, der Geschichte sowie der klassischen Sagen und Mythen des Altertums, nebst gutem Epochenwissen - und so möchte man ergänzen - das Altgriechische. Anders sind die Klassiker nicht in ihrer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Was macht eigentlich einen guten Germanisten aus? Neben den Sprachkenntnissen und dem linguistischen Handwerkszeug,  lautet die einfache Antwort, sind dies fundierte Kenntnisse des Latein, der Bibel, der Geschichte sowie der klassischen Sagen und Mythen des Altertums, nebst gutem Epochenwissen - und so möchte man ergänzen - das Altgriechische. Anders sind die Klassiker nicht in ihrer Tiefe und Struktur zu verstehen, anders sind die Ausprägungen der neueren und zeitgenössischen Literatur kaum nachzuvollziehen. Haben sie alle doch ihre Wurzeln in der Geschichte und in den alten Sprachen, die ihre Basis in kulturgeschichtlicher Prägung und  ihren sprachlich- grammatischen Ursprung darstellen. Ich empfehle daher, ganz der  Tradition althumanistischer Bildung folgend, eine hinreichende Beschäftigung mit den alten Sprachen. Begeben Sie sich auf die Entdeckung unserer heutigen Sprache und Kultur und folgen sie den Spuren der alten Sprachen und antiken Grammatiker bis in unsere heutige Welt!</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><img class="alignleft" style="float: left;" src="http://www.bilder-hosting.de/img/IECA4.jpg" alt="" width="377" height="264" />Die altgriechische Sprache (ἡ Ἑλληνικὴ γλῶσσα, <em>hē hellēnikē glōssa</em>) hat einerseits durch die Vermittlung durch das Lateinische, für dessen Geltungsbereich sie die wesentliche Bildungssprache war, andererseits durch die exemplarische erhaltene Literatur vor allem in den Bereichen Philosophie, Naturwissenschaft, Geschichtsschreibung, Dichtung, Musik und Theater eine herausragende Bedeutung für das gesamte Abendland. Hinzu kommt ihre Bedeutung als Sprache des Neuen Testaments für Religion und Theologie des Christentums. Auch sprachlich hat sie durch diesen Einfluss die europäischen Sprachen geprägt: Eine Vielzahl von Lehnübersetzungen, Lehn- und Fremdwörtern haben in europäische Sprachen Eingang gefunden und werden in diversen Fachsprachen verwendet.</p>
<p style="text-align: justify;">Unter dem Begriff Altgriechisch werden Sprachformen und Dialekte zusammengefasst, die zwischen der Einführung der griechischen Schrift (etwa 800 v. Chr.) und dem Beginn der hellenistischen Ära (etwa 300 v. Chr.), zumindest in der Literatur noch sehr viel länger, nämlich bis zum Ende der Antike (um 600 n. Chr.), verwendet wurden. Als Norm für das klassische Altgriechisch gilt der literarische attische Dialekt des 5. und 4. Jahrhunderts vor Christus, die Sprache von Sophokles, Platon und Demosthenes. Die Sprachstufe zwischen 600 und 1453 (Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen) wird gemeinhin als Mittelgriechisch bezeichnet; das darauf folgende Neugriechische, die Staatssprache des modernen Griechenland, hat sich nachvollziehbar kontinuierlich aus dem Alt- bzw. Mittelgriechischen entwickelt.</p>
<p style="text-align: justify;">Altgriechisch (ἡ Ἑλληνικὴ γλῶσσα, <em>hē hellēnikē glōssa</em>) ist die antike Sprachstufe der griechischen Sprache, einer indogermanischen Sprache im östlichen Mittelmeerraum, die einen eigenen Zweig dieser Sprachfamilie darstellt.</p>
<p style="text-align: justify;">Die ersten Grammatiklehrbücher des Abendlandes wurden zu hellenistischer Zeit in der philologischen Schule von Alexandria abgefasst. Aristarch von Samothrake schrieb eine <em>technē grammatikē</em> des Griechischen. Die vermutlich erste autonome grammatische Schrift ist die <em>technē grammatikē</em> des Dionysios Thrax (2. Jh. v. Chr.), welche die Phonologie und Morphologie einschließlich der Wortarten umfasst. Die Syntax ist Gegenstand eines sehr systematischen Werks des zweiten bedeutenden griechischen Grammatikers, des Apollonios Dyskolos (2. Jh. n. Chr.). Angeblich im Jahre 169/8 „importierten&#8221; die Römer die griechische Grammatiklehre und adaptierten sie.</p>
<p style="text-align: justify;"><img class="alignright" style="float: right;" src="http://www.bilder-hosting.de/img/IECHT.jpg" alt="" width="396" height="256" />Die Grammatik des Altgriechischen ist auf den ersten Blick recht ähnlich zum Lateinischen, was Partizipial- konstruktionen und sonstige satzwertige Konstruktionen (AcI etc.) anbelangt, so dass Lateinkenntnisse beim Erlernen des Altgriechischen sehr hilfreich sind - und umgekehrt. Gutes Verständnis der deutschen Grammatik hilft allerdings auch; in vielen Fällen ist das Altgriechische dem Deutschen strukturell ähnlicher als dem Lateinischen, beispielsweise sind bestimmte Artikel im Griechischen vorhanden, während sie im Lateinischen fehlen. So verhelfen Altgriechischkenntnisse umgekehrt zu einem tiefen Verständnis der deutschen Grammatik. Aber auch der Sprachvergleich vermittelt tiefgreifende Einblicke. Es gibt z. B. Fälle, in denen die Ähnlichkeit mit dem Lateinischen und Deutschen eher oberflächlicher Art ist und interessante Unterschiede auftreten - beispielsweise werden die Zeitformen der Verben im Griechischen oft anders verwendet als im Lateinischen und im Deutschen.</p>
<p style="text-align: justify;">Im Westen und auch beim Erlernen von Fremdsprachen werden heute gewöhnlich lateinische Begriffe (wie Substantiv, Dativ, Aktiv, Person &#8230;) zur Bezeichnung von altgriechischen grammatischen und semantischen Kategorien verwendet, die direkte Übersetzungen der griechischen Definitionen darstellen. In Griechenland werden dagegen bis heute die griechischen Originalbegriffe aus der <em>technē grammatikē</em> des Dionysios Thrax verwendet.</p>
<p style="text-align: justify;">Bis in das letzte Jahrhundert hinein waren das Studium der Lateinischen und Altgriechischen Sprache die unerlässliche Basis für ein Sprachenstudium und für das Studium generell, weil diese Sprachen nicht nur unsere Grammatik sondern auch die Terminologie unserer Wissenschaften präg(t)en, sowie die Literatur, deren Klassiker auch heute gern noch im Original gelesen werden, die Theologie, die Philosophie und viele andere Bereiche unserer Kultur.</p>
<p style="text-align: justify;">Was also für die Lateinische Sprache gilt - ist sie doch die wichtigste Grundlage der Sprache in der deutschsprachigen und romanischsprachigen Welt, bildet sie doch die Basis für unser Kulturgut, hat sie in vielen Bereichen das Leben in Europa in Kunst, Kirche, Politik und Literatur bis vor wenigen Jahrhunderten geprägt und reicht in den Bereichen rund um die Humanistischen Bildung, die Philosophie und in Kirchenkreisen ebenso wie in der Medizin und der Terminologie vieler Fachbegriffe aller Wissenschaften bis in unsere heutige Zeit - lässt sich ebendies auch für das Altgriechische sagen.</p>
<p style="text-align: justify;">Rund 60 Prozent aller englischen und deutschen Wörter haben lateinische Wurzeln. Diese Wurzeln aber sind eng mit dem Altgriechischen verbunden. Der reine Anteil an Altgriechischen Wörtern und deren Entlehnungen in der heutigen deutschen Sprache allein beträgt etwa 20 Prozent.</p>
<p style="text-align: justify;">Im deutschsprachigen Raum ist das Griechische neben Latein seit dem ausgehenden Mittelalter bis heute eine wichtige Bildungssprache. Vorwiegend an humanistischen Gymnasien wird (meist ab Klasse 7, 8 oder 9) Griechischunterricht erteilt. Griechisch-Gymnasiasten können ihre Fähigkeiten im internationalen Exploring the Ancient Greek Language and Culture-Wettbewerb messen.</p>
<p style="text-align: justify;">Gräzistik wird im Rahmen der Klassischen Philologie an zahlreichen deutschen Universitäten als Lehrfach angeboten. Für Studiengänge wie Latinistik, Theologie, Archäologie, Alte Geschichte und Philosophie ist das Griechisch-Examen, das so genannte Graecum, bis heute Voraussetzung. Grundlage für das in Schulen gelehrte Altgriechisch bildet das Attische des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr., aber auch Autoren anderer Dialekte werden behandelt.</p>
<p style="text-align: justify;"><img class="alignleft" style="float: left;" src="http://www.bilder-hosting.de/img/IEPWX.jpg" alt="" width="239" height="245" />Zahlreiche deutsche Ausdrücke <em>(geflügeltes Wort, Schwanengesang)</em> und Sprichwörter <em>(Im Wein liegt Wahrheit, Eine Hand wäscht die andere)</em> stammen ursprünglich aus altgriechischen Quellen und sind Lehnübersetzungen. Viele exemplarische Redewendungen altgriechischer Autoren sind bis heute berühmt und werden vielfach zitiert.</p>
<p style="text-align: justify;">Aus dem Altgriechischen entlehnte Wörter finden sich in zahlreichen wissenschaftlichen Fachsprachen, besonders in Gebieten, die bereits durch altgriechische Autoren bearbeitet wurden. Insbesondere im Bereich der Geometrie, Naturwissenschaften, Medizin, Philosophie und Theologie sowie Rhetorik und Theaterwissenschaft haben griechische Wortstämme das Fachvokabular geprägt.</p>
<p style="text-align: justify;">Etwa ein Drittel der deutschen Gymnasiasten lernt heute, teils neben Altgriechisch, Latein als zweite Fremdsprache. Unübertroffen hilfreich ist das Lateinübersetzen für ein tiefes grammatisches Verständnis und das Erlernen von modernen Fremdsprachen. Es schult den Geist für die Strukturen der Sprache in der heutigen Sprachverwendung von der Basis aus. Nicht zu überbieten ist auch der <em>Genuss</em> beim Lesen der alten Dichter, Philosophen und Historiker im Original, die das Eintauchen in die Antike oder die Klassik ermöglichen, als deren Kulturerben wir uns verstehen dürfen.</p>
<p style="text-align: justify;">Es gibt, auch im Internet, ebenso wie für die Lateinische Sprache viele Zeitschriften in Altgriechischer Sprache und Onlinetexte, Unterrichtsmaterialien und Hörbücher zum Lesen und Herunterladen. Interessant: wie auch in Latein, erscheinen auch Werke moderner Literatur in Altgriechisch; schauen Sie doch mal hinein.</p>
<p><strong>Mehr zum Thema:</strong> <span style="font-size: 12pt; font-family: "><a href="http://images.google.de/imgres?imgurl=http://www.aphilia.de/bildersprachen/altgriechisch-diog2.jpg&amp;imgrefurl=http://www.aphilia.de/sprachen-altgriechisch-10-abschluss.html&amp;usg=__nyyl5ansMBRqSJe6xPeZWiQO5zY=&amp;h=216&amp;w=360&amp;sz=15&amp;hl=de&amp;start=1&amp;um=1&amp;itbs=1&amp;tbnid=BQrKsVCy7zZxPM:&amp;tbnh=73&amp;tbnw=121&amp;prev=/images%3Fq%3Daltgriechisch%26um%3D1%26hl%3Dde%26sa%3DN%26ndsp%3D20%26tbs%3Disch:1"><span style="color: #800000;">aphilia</span></a></span></p>
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		<title>Homer: „Odyssee“</title>
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		<pubDate>Wed, 05 May 2010 08:58:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Без рубрики]]></category>

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		<description><![CDATA[Ὀδύσσεια
Ἔπος 
Ἄνδρα μοι ἔννεπε, Μοῦσα, πολύτροπον, ὃς μάλα πολλὰ
πλάγχθη, ἐπεὶ Τροίης ἱερὸν πτολίεθρον ἔπερσε·
πολλῶν δ&#8217; ἀνθρώπων ἴδεν ἄστεα καὶ νόον ἔγνω,
πολλὰ δ&#8217; ὅ γ&#8217; ἐν πόντῳ πάθεν ἄλγεα ὃν κατὰ θυμόν,
ἀρνύμενος ἥν τε ψυχὴν καὶ νόστον ἑταίρων.
ἀλλ&#8217; οὐδ&#8217; ὧς ἑτάρους ἐρρύσατο, ἱέμενός περ·
αὐτῶν γὰρ σφετέρῃσιν ἀτασθαλίῃσιν ὄλοντο,
νήπιοι, οἳ κατὰ βοῦς Ὑπερίονος Ἠελίοιο
τῶν ἁμόθεν γε, θεά, θύγατερ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ὀ</strong><strong>δύσσεια</strong><strong></strong></p>
<p><strong><em>Ἔ</em><em>πος</em> </strong></p>
<p><strong>Ἄνδρα μοι ἔννεπε, Μοῦσα, πολύτροπον, ὃς μάλα πολλὰ<br />
πλάγχθη, ἐπεὶ Τροίης ἱερὸν πτολίεθρον ἔπερσε·<br />
πολλῶν δ&#8217; ἀνθρώπων ἴδεν ἄστεα καὶ νόον ἔγνω,<br />
πολλὰ δ&#8217; ὅ γ&#8217; ἐν πόντῳ πάθεν ἄλγεα ὃν κατὰ θυμόν,<br />
ἀρνύμενος ἥν τε ψυχὴν καὶ νόστον ἑταίρων.<br />
ἀλλ&#8217; οὐδ&#8217; ὧς ἑτάρους ἐρρύσατο, ἱέμενός περ·<br />
αὐτῶν γὰρ σφετέρῃσιν ἀτασθαλίῃσιν ὄλοντο,<br />
νήπιοι, οἳ κατὰ βοῦς Ὑπερίονος Ἠελίοιο<br />
τῶν ἁμόθεν γε, θεά, θύγατερ Διός, εἰπὲ καὶ ἡμῖν.        </strong></p>
<p><strong>ἔνθ&#8217; ἄλλοι μὲν πάντες, ὅσοι φύγον αἰπὺν ὄλεθρον,<br />
οἴκοι ἔσαν, πόλεμόν τε πεφευγότες ἠδὲ θάλασσαν·<br />
τὸν δ&#8217; οἶον, νόστου κεχρημένον ἠδὲ γυναικός,<br />
νύμφη πότνι&#8217; ἔρυκε Καλυψώ, δῖα θεάων,<br />
ἐν σπέεσι γλαφυροῖσι, λιλαιομένη πόσιν εἶναι.<br />
ἀλλ&#8217; ὅτε δὴ ἔτος ἦλθε περιπλομένων ἐνιαυτῶν,<br />
τῷ οἱ ἐπεκλώσαντο θεοὶ οἶκόνδε νέεσθαι<br />
εἰς Ἰθάκην, οὐδ&#8217; ἔνθα πεφυγμένος ἦεν ἀέθλων<br />
καὶ μετὰ οἷσι φίλοισι· θεοὶ δ&#8217; ἐλέαιρον ἅπαντες<br />
νόσφι Ποσειδάωνος· ὁ δ&#8217; ἀσπερχὲς μενέαινεν        <br />
ἀντιθέῳ Ὀδυσῆϊ πάρος ἣν γαῖαν ἱκέσθαι.</strong></p>
<p><strong>ἀλλ&#8217; ὁ μὲν Αἰθίοπας μετεκίαθε τηλόθ&#8217; ἐόντας,<br />
Αἰθίοπας, τοὶ διχθὰ δεδαίαται, ἔσχατοι ἀνδρῶν,<br />
οἱ μὲν δυσομένου Ὑπερίονος, οἱ δ&#8217; ἀνιόντος,<br />
ἀντιόων ταύρων τε καὶ ἀρνειῶν ἑκατόμβης.<br />
ἔνθ&#8217; ὅ γε τέρπετο δαιτὶ παρήμενος· οἱ δὲ δὴ ἄλλοι<br />
Ζηνὸς ἐνὶ μεγάροισιν Ὀλυμπίου ἁθρόοι ἦσαν.<br />
τοῖσι δὲ μύθων ἦρχε πατὴρ ἀνδρῶν τε θεῶν τε·<br />
μνήσατο γὰρ κατὰ θυμὸν ἀμύμονος Αἰγίσθοιο,<br />
τόν ῥ&#8217; Ἀγαμεμνονίδης τηλεκλυτὸς ἔκταν&#8217; Ὀρέστης·        <br />
τοῦ ὅ γ&#8217; ἐπιμνησθεὶς ἔπε&#8217; ἀθανάτοισι μετηύδα·</strong></p>
<p><strong>&#8220;ὢ πόποι, οἷον δή νυ θεοὺς βροτοὶ αἰτιόωνται.<br />
ἐξ ἡμέων γάρ φασι κάκ&#8217; ἔμμεναι· οἱ δὲ καὶ αὐτοὶ<br />
σφῇσιν ἀτασθαλίῃσιν ὑπὲρ μόρον ἄλγε&#8217; ἔχουσιν,<br />
ὡς καὶ νῦν Αἴγισθος ὑπὲρ μόρον Ἀτρεΐδαο<br />
γῆμ&#8217; ἄλοχον μνηστήν, τὸν δ&#8217; ἔκτανε νοστήσαντα,<br />
εἰδὼς αἰπὺν ὄλεθρον, ἐπεὶ πρό οἱ εἴπομεν ἡμεῖς,<br />
Ἑρμείαν πέμψαντες, ἐΰσκοπον Ἀργεϊφόντην,<br />
μήτ&#8217; αὐτὸν κτείνειν μήτε μνάασθαι ἄκοιτιν·<br />
ἐκ γὰρ Ὀρέσταο τίσις ἔσσεται Ἀτρεΐδαο,        <br />
ὁππότ&#8217; ἂν ἡβήσῃ τε καὶ ἧς ἱμείρεται αἴης.<br />
ὣς ἔφαθ&#8217; Ἑρμείας, ἀλλ&#8217; οὐ φρένας Αἰγίσθοιο<br />
πεῖθ&#8217; ἀγαθὰ φρονέων· νῦν δ&#8217; ἁθρόα πάντ&#8217; ἀπέτεισε.&#8221;</strong></p>
<p><strong>τὸν δ&#8217; ἠμείβετ&#8217; ἔπειτα θεὰ γλαυκῶπις Ἀθήνη·<br />
&#8220;ὦ πάτερ ἡμέτερε Κρονίδη, ὕπατε κρειόντων,<br />
καὶ λίην κεῖνός γε ἐοικότι κεῖται ὀλέθρῳ,<br />
ὡς ἀπόλοιτο καὶ ἄλλος ὅτις τοιαῦτά γε ῥέζοι.<br />
ἀλλά μοι ἀμφ&#8217; Ὀδυσῆϊ δαΐφρονι δαίεται ἦτορ,<br />
δυσμόρῳ, ὃς δὴ δηθὰ φίλων ἄπο πήματα πάσχει<br />
νήσῳ ἐν ἀμφιρύτῃ, ὅθι τ&#8217; ὀμφαλός ἐστι θαλάσσης,        <br />
νῆσος δενδρήεσσα, θεὰ δ&#8217; ἐν δώματα ναίει,<br />
Ἄτλαντος θυγάτηρ ὀλοόφρονος, ὅς τε θαλάσσης<br />
πάσης βένθεα οἶδεν, ἔχει δέ τε κίονας αὐτὸς<br />
μακράς, αἳ γαῖάν τε καὶ οὐρανὸν ἀμφὶς ἔχουσι.</strong></p>
<p><strong>τοῦ θυγάτηρ δύστηνον ὀδυρόμενον κατερύκει,<br />
αἰεὶ δὲ μαλακοῖσι καὶ αἱμυλίοισι λόγοισι<br />
θέλγει, ὅπως Ἰθάκης ἐπιλήσεται· αὐτὰρ Ὀδυσσεύς,<br />
ἱέμενος καὶ καπνὸν ἀποθρῴσκοντα νοῆσαι<br />
ἧς γαίης, θανέειν ἱμείρεται. οὐδέ νυ σοί περ<br />
ἐντρέπεται φίλον ἦτορ, Ὀλύμπιε; οὔ νύ τ&#8217; Ὀδυσσεὺς        <br />
Ἀργείων παρὰ νηυσὶ χαρίζετο ἱερὰ ῥέζων<br />
Τροίῃ ἐν εὐρείῃ; τί νύ οἱ τόσον ὠδύσαο, Ζεῦ;&#8221;</strong></p>
<p><strong>τὴν δ&#8217; ἀπαμειβόμενος προσέφη νεφεληγερέτα Ζεύς·<br />
&#8220;τέκνον ἐμόν, ποῖόν σε ἔπος φύγεν ἕρκος ὀδόντων.<br />
πῶς ἂν ἔπειτ&#8217; Ὀδυσῆος ἐγὼ θείοιο λαθοίμην,<br />
ὃς περὶ μὲν νόον ἐστὶ βροτῶν, περὶ δ&#8217; ἱρὰ θεοῖσιν<br />
ἀθανάτοισιν ἔδωκε, τοὶ οὐρανὸν εὐρὺν ἔχουσιν;<br />
ἀλλὰ Ποσειδάων γαιήοχος ἀσκελὲς αἰὲν<br />
Κύκλωπος κεχόλωται, ὃν ὀφθαλμοῦ ἀλάωσεν,<br />
ἀντίθεον Πολύφημον, ὅου κράτος ἐστὶ μέγιστον        <br />
πᾶσιν Κυκλώπεσσι· Θόωσα δέ μιν τέκε νύμφη,<br />
Φόρκυνος θυγάτηρ, ἁλὸς ἀτρυγέτοιο μέδοντος,<br />
ἐν σπέεσι γλαφυροῖσι Ποσειδάωνι μιγεῖσα.<br />
ἐκ τοῦ δὴ Ὀδυσῆα Ποσειδάων ἐνοσίχθων<br />
οὔ τι κατακτείνει, πλάζει δ&#8217; ἀπὸ πατρίδος αἴης.</strong></p>
<p><strong>ἀλλ&#8217; ἄγεθ&#8217; ἡμεῖς οἵδε περιφραζώμεθα πάντες<br />
νόστον, ὅπως ἔλθῃσι· Ποσειδάων δὲ μεθήσει<br />
ὃν χόλον· οὐ μὲν γάρ τι δυνήσεται ἀντία πάντων<br />
ἀθανάτων ἀέκητι θεῶν ἐριδαινέμεν οἶος.&#8221;</strong></p>
<p><span style="color: #800000;">Hörbuch der &#8220;Odyssee&#8221;: </span><a href="http://librivox.org/odyssee-by-homer/"><span style="color: #800000;">http://librivox.org/odyssee-by-homer/</span></a></p>
<p><span style="color: #800000;">Volltext in Altgriechisch: </span><a href="http://el.wikisource.org/wiki/%CE%9F%CE%B4%CF%8D%CF%83%CF%83%CE%B5%CE%B9%CE%B1"><span style="color: #800000;">Wikisource</span></a></p>
<p><span style="color: #800000;">Volltext Altgriechisch/Deutsch: </span><a href="http://www.gottwein.de/Grie/Homer.php"><span style="color: #800000;">http://www.gottwein.de/Grie/Homer.php</span></a></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Kreatives Berlin</title>
		<link>http://daummer.com/2010/04/27/kreatives-berlin/%</link>
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		<pubDate>Tue, 27 Apr 2010 12:32:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Без рубрики]]></category>

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		<description><![CDATA[Zur Selbstkulturalisierung des Urbanen im ästhetischen Kapitalismus -  Seminar zur Landeskunde und Literatur: Berliner Ansichten.

Bevor die creative city ins Visier einer um wirtschaftliches Wachstum besorgten Stadtplanung geraten ist, war sie im Kern ein Produkt der Begegnung von kreativen Berufen und Gegenkultur. In Rudolf Thomes Film Berlin Chamissoplatz von 1980 wird der Moment dieser überrascht-faszinierten Begegnung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zur Selbstkulturalisierung des Urbanen im ästhetischen Kapitalismus -  Seminar zur Landeskunde und Literatur: Berliner Ansichten.</strong><em><br />
</em><br />
<strong>Bevor die <em>creative city</em> ins Visier einer um wirtschaftliches Wachstum besorgten Stadtplanung geraten ist, war sie im Kern ein Produkt der Begegnung von kreativen Berufen und Gegenkultur. In Rudolf Thomes Film <em>Berlin Chamissoplatz</em> von 1980 wird der Moment dieser überrascht-faszinierten Begegnung für den Fall Berlins in eine dramatisch-komödiantische Geschichte gepackt: Der etablierte Architekt Martin - gespielt von Hanns Zischler -, ein Planer im Altbausanierungsgebiet in Kreuzberg-West, trifft auf die „betroffene&#8221; Studentin und Mieterin Anna (Sabine Bach). Die Faszination zwischen kreativem Establishment und der Postachtundsechziger-Gegenkultur ist spürbar, die Liebesgeschichte zwischen beiden verliert sich am Ende im Uneindeutigen. David Brooks hat das späte Ergebnis einer soziokulturellen Synthese von Hanns Zischler und Sabine Bach zwanzig Jahre später auf die Formel der „Bobos&#8221;, der „bourgeoisen Bohemiens&#8221; gebracht, die Richard Floridas <em>creative class</em> nicht unähnlich ist: eine kulturell stilbildende wie ökonomisch zentrale soziale Gruppe von Kreativ- und Wissensarbeitern, die einen Sinn für die - leicht subversive - Ästhetisierung ihrer Existenz und ihrer urbanen Umgebung kultivieren.</strong></p>
<p><img class="alignleft" style="float: left;" src="http://www.bilder-hosting.de/img/IC3Q1.jpg" alt="" width="370" height="381" />Thomes <em>Berlin Chamissoplatz</em> ist auch ein Film über die Berliner Stadträume und über deren Transformation in der Vorphase zur postmodernen, vorgeblich „kreativen&#8221; Stadt. Der etwas patinierte Altbaustil der etablierten City-West des Charlottenburger Architekten trifft auf das politisch selbstbewusste Kreuzberger Wohnkollektiv in den zu sanierenden Mietshäusern. Dass es sich bei <em>beiden</em> um Gründerzeitaltbauten handelt, erweist sich als langfristig bezeichnend: Dies werden die Wohn- und Arbeitsviertel der späteren <em>creative class</em> sein, und die Unterschiede zwischen Kreuzberg (wo der Chamissoplatz heute in einem sich gentrifizierenden „Bergmannkiez&#8221; liegt) und Charlottenburg werden sich langfristig nicht mehr als elementar darstellen. Der Film dramatisiert einen für die stadträumliche Entwicklung (West-) Berlins zentralen historischen Moment, der in ähnlicher Form auch in anderen westlichen Städten abläuft: die allmähliche „kritische Rekonstruktion&#8221; der Altbauviertel, wie sie im Vorfeld der <em>Internationalen Bauausstellung </em>(IBA), nicht zuletzt durch J. P. Kleihues programmatisch unterfüttert, seit dem Ende der siebziger Jahre in Berlin stattfindet, und damit die Abkehr von den Prinzipien der „funktionalen Stadt&#8221;, welche auf den Abriss der Altbauten und die Etablierung einer „neuen Stadt&#8221; der Trennung von Wohnen und Arbeit und der verkehrstechnischen Verdichtung gesetzt und Berlin fünfzig Jahre lang dominiert hatte. Der Chamissoplatz, der in Thomes Film im Mittelpunkt steht, ist das erste Westberliner Altbauquartier, das dem Abriss entkommt und zum Objekt der „behutsamen Stadterneuerung&#8221; des Berliner Senats wird, welches auf die langfristige Attraktivität von Wohnen und Arbeiten in bisher vernachlässigten Innenstadtquartieren setzt.</p>
<p>Was hat die Rede von <em>creative cities</em> in ihrer semantischen Nachbarschaft von <em>creative class</em> und <em>creative industries</em> auf sich, die sich im stadtsoziologischen und im politischen Diskurs seit dem Ende der neunziger Jahre massiert findet? Handelt es sich hier um eine reale stadträumliche und soziokulturelle Transformation westeuropäischer und nordamerikanischer Städte, die sich bereits seit Ende der siebziger Jahre andeutet, oder eher um den vereinfachenden Oberflächendiskurs einer städtischen Wirtschaftsförderung und der interessierten Medien? Bestätigt Berlin den Typus einer solchen <em>creative city</em>, oder dementiert die Stadt ihn eher?</p>
<p>Viele der westlichen Städte haben in den letzten dreißig Jahren eine reale Transformation erlebt, die ihre stadträumlichen Strukturen sowie die sozioökonomische Struktur ihrer Bewohner und die Ausrichtung der Stadtpolitik betrifft. Allerdings kennzeichnet der emphatische Begriff der <em>creative city</em> diese Entwicklung nur einseitig. Prominente Berater der Stadtplanung wie Richard Florida und Charles Landry haben dieses Konzept international populär gemacht. Florida spricht von der <em>creative city</em> als bevorzugtem Lebens- und Wohnort einer <em>creative class</em>, das heißt eines avancierten professionellen Segments von Symbolarbeitern, das von den Künstlern, dem Kulturbetrieb und dem Design bis zu Forschung und Entwicklung, Marketing und Beratung reicht. Die <em>creative cities </em>von Seattle bis Boston sind Orte einer solchen von Florida sehr breit definierten Kreativwirtschaft. Aus der Perspektive der Stadtpolitik findet um dieses professionelle Bevölkerungssegment eine zwischenstädtische Konkurrenz statt, und Städte mit Vorzügen in den Bereichen Forschung und Entwicklung, im Bildungspotential und nicht zuletzt in ihrer realen oder wahrgenommenen Lebensqualität sind hier - so Florida - prinzipiell im Vorteil. Charles Landry - als britischer Gegenpart von Florida lange Berater der <em>Labour</em>-Regierung - betrachtet die <em>creative city</em> ähnlich, wenn auch nicht ausschließlich unter wirtschaftspolitischem Gesichtspunkt. Entscheidend ist aus seiner Perspektive, dass der zeitgemäßen Stadtpolitik ein cultural planning gelingt, nicht allein in der vordergründigen Bedeutung von Kulturpolitik, sondern im Sinne der systematischen Produktion einer Zeichenhaftigkeit der einzelnen Stadt, die ihr einen Erlebniswert verspricht und sie von anderen Städten im Sinne einer <em>local distinctiveness</em> unterscheidbar macht. Es ist nicht verwunderlich, dass vor dem Hintergrund dieser internationalen Diskussion über städtische Selbstprofilierungen auch die Berliner Stadtpolitik seit 2000 verstärktes Interesse an einer Entwicklung der Stadt als <em>creative city</em> ge-zeigt hat: 2004 formuliert Berlin seinen ersten „Kulturwirtschaftsbericht&#8221;, und nachdem sich 2005 auf die Initiative der UNESCO hin ein globales <em>creative cities network</em> gegründet hat, findet 2006 in Berlin eine von der Wirtschaftsbehörde initiierte große <em>creative-cities</em>-Konferenz statt.</p>
<p>Das Konzept der <em>creative city</em> ist damit eindeutig aus der Binnenperspektive der städtischen Planung formuliert und enthält die Emphase eines normativen Programms - auch um den Preis einer Entleerung des Begriffs der Kreativität, wie er für die Ausweitung des gesellschaftlichen Imperativs <em>Be creative!</em> seit den neunziger Jahren durchaus typisch ist. Aus etwas größerer politischer und historischer Distanz kann man hier eher von einer <em>Selbstkulturalisierung der Stadt</em> sprechen. Diese wird von unterschiedlichen Instanzen - politischen und ökonomischen, aber auch von zentralen Bewohnermilieus - seit den achtziger Jahren systematisch betrieben, und zwar vor allem in den westeuropäischen und nordamerikanischen mittelgroßen Großstädten (Kopenhagen, Stockholm, Amsterdam, Zürich, Barcelona, Portland, Boston etc.). Die sich selbst kulturalisierende Stadt löst in vieler Hinsicht das alte Modell der „funktionalen Stadt&#8221; ab, wie es bis in die siebziger Jahre die westliche Stadtplanung dominierte.</p>
<p>Die Selbstkulturalisierung der Stadt ist kein bloßes Diskursphänomen: Sie betrifft massiv die Veränderung der Wirtschafts- und Berufsstruktur, die architektonische Erneuerung von Stadtquartieren und den Austausch der Bewohnergruppen. Selbstkulturalisierung bedeutet: Städte werden nicht mehr allein „von außen&#8221;, von den interessierten Kultursoziologen und Stadtethnologen, als ein kulturelles Phänomen beschrieben, wie dies seit Georg Simmel, Walter Benjamin oder Robert Park der Fall ist. Die städtischen Instanzen - ihre Wirtschaftsunternehmen und ihre Stadtpolitik, ihre Mittelschichtmilieus und ihre Szenen - perspektivieren die Stadt vielmehr nun selbst primär weniger als funktionale oder soziale Struktur, nicht lediglich als Wohn- und Arbeitsort, sondern als ein <em>kulturelles</em> Ensemble. Im Rahmen einer solchen Kulturalisierung breiten sich Praktiken aus, in denen reflexiv auf Zeichen und Symbole Bezug genommen wird. In der kulturalisierten Stadt, die sich plakativ als <em>creative city</em> ausgibt, werden solche urbanen Zeichen und Symbole zum Thema; sie werden gezielt und massiert hervorgebracht, und die Nutzung und Betrachtung der Bestandteile der Stadt erfolgt zunehmend unter dem Aspekt des Symbolischen: in bezug auf die ökonomische Produktion der <em>symbolic economy</em> (Zukin) von der Werbung bis zum Design und die Konsumtion ihrer zeichenhaften Güter; mit Blick auf den symbolischen und phänomenologischen Gehalt von Stadtquartieren und städtebaulichen Projekten; schließlich im <em>place branding</em> der Stadt nach außen, im Aufmerksamkeitswettbewerb mit anderen Städten.</p>
<p>Eine solche Kulturalisierung des Urbanen kennt man in der Geschichte des 20. Jahrhunderts zunächst aus exklusiven ästhetisch-intellektuellen Zirkeln der Moderne: vom Flaneur der Ästhetizisten bis hin zu den Surrealisten und Situationisten. Im Rahmen des Typus der sich selbst kulturalisierenden Stadt am Ende des 20. Jahrhunderts ist diese Kulturalisierung profaner, aber massiver und dominanter. Sie steht den ökonomischen und politischen Administratoren nicht entgegen, sondern findet dort kraftvolle Unterstützer, und auf den ersten Blick fügt sich Berlin nahtlos in diese Entwicklung ein. Die Kulturalisierung kippt dann von einer Avantgardepraktik zu dem, was man in Anlehnung an Michel Foucault als <em>kulturorientierte Gouvernementalität</em>, als ein spezifisches kulturorientiertes Planungsregime, umschreiben kann. Foucault hat in seinen späten Arbeiten Gouvernementalität als eine für avanciert liberale Regierungsformen charakteristische, komplexe Form der Steuerung identifiziert. Gouvernementalität meint hier eine <em>„Regierung der Selbstregierung&#8221;</em>. Im Unterschied zu dem, was man systemtheoretisch eine Steuerung erster Ordnung nennen kann, das heißt eine quasiingenieurhafte Planung in einen leeren Raum hinein, in dem das Objekt der Planung scheinbar passiv ist und sich mechanisch verhält, handelt es sich bei dieser Regierung der Selbstregierung um ein Steuerungsverfahren, das davon ausgeht, dass sich das zu steuernde Objekt bereits selber regiert, dass es eigendynamisch agiert und nun diese Eigendynamik ihrerseits beeinflusst werden soll - über Anreize und Hemmnisse. Die aktuellen <em>governmentality studies </em>haben die Gouvernementalität der Gegenwart häufig als eine spezifisch neoliberale umschrieben, aber im Falle der <em>creative cities</em> handelt es sich zumindest ebensosehr um eine kulturorientierte Form der Steuerung. Hier wird die Stadt als ein Komplex vorausgesetzt, der sich selbst beständig - lebensweltlich, pro-duktiv und konsumtiv - kulturalisiert, so dass die staatliche Steuerung versucht, diese Kulturalisierung noch zu steigern und zu beeinflussen.</p>
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		<item>
		<title>Mythos Berlin</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Apr 2010 15:22:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Без рубрики]]></category>

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		<description><![CDATA[Berlin, das ist eine Stadt der schweren Ladungen, eine Stadt, in der man Geschichte mit der Atemluft einsaugt. Mit seiner wechselvollen Geschichte aus Größenwahn und Katastrophen, Euphorie und Katzenjammer bleibt Berlin immer auf der Suche nach sich selbst, nach Identität, nach besseren Zeiten, an die man anknüpfen kann. Mythos Berlin hieß eine große Ausstellung kurz [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Berlin, das ist eine Stadt der schweren Ladungen, eine Stadt, in der man Geschichte mit der Atemluft einsaugt. Mit seiner wechselvollen Geschichte aus Größenwahn und Katastrophen, Euphorie und Katzenjammer bleibt Berlin immer auf der Suche nach sich selbst, nach Identität, nach besseren Zeiten, an die man anknüpfen kann. Mythos Berlin hieß eine große Ausstellung kurz vor dem Mauerfall in Westberlin. Und nach der Wende labte man sich ausgiebig am üppigen Leib des eigenen Mythos. Jahrelang propagierte man, Berlin sei die „Mitte Europas&#8221;, heute erklären Politiker und Werbestrategen Berlin zur „Stadt der kreativen Klasse&#8221; oder zur „Stadt des Wissens&#8221;. In regelmäßigen Abständen werden rhetorische Großvokabeln erfunden und wie Luftblasen in den Äther entlassen. Um den lange zelebrierten Metaphernkern der Mitte haben sich zahlreiche kompatible Submetaphern angelagert, die der „Drehscheibe&#8221;, der „Schnittstelle&#8221;, des „Begegnungsorts&#8221; von Ost und West.</em></p>
<p><img class="alignleft" style="float: left;" src="http://www.bilder-hosting.de/img/I96TJ.jpg" alt="" width="220" height="442" />Der Mythos von „Europas Mitte&#8221;, der nach dem Mauerfall 1989 aufkommt, ist Ausdruck des Versuchs, eine Ideologie für die politische Klasse, für Politiker, Lobbyisten und Medien zu schaffen. Es geht immer um rhetorische Strategien bis zur Formel: Berlin ist arm, aber sexy. Diese verhindern, dass Menschen sich mit dem befassten, was tatsächlich geschieht. In dem Film &#8220;Überall Osten&#8221; über Westberlin führen alle Himmelsrichtungen nach Osten, wohin man auch strebt. Das war die alte Lage. Heute muss man sich fragen, welche Rolle Berlin in Europa, innerhalb Deutschlands, wirklich einnimmt. Die Träume von der emphatischen Begegnung des Ostens mit dem Westen sind ausgeträumt. Die alten Verknüpfungen gibt es nicht mehr. Für die Tschechen ist die nächste westliche Stadt nicht mehr Berlin, sondern man fliegt direkt nach New York oder London. Oder fährt nach Wien.</p>
<p><em>Die Grundfigur der Formel „Berlin als Mitte Europas&#8221; war die einer Wiederholung, einer Wiederherstellung der zeitweilig verlorenen Mittlerfunktion zwischen Ost und West, Paris und Petersburg. Man suggeriert die Renaissance alter Verbindungen, einer geopolitischen Position, einer politisch-historischen Topographie aus der Vorkriegszeit, die sich erneut herstellen soll. Dazu passten die früheren Ausstellungen Paris-Berlin, Paris-Moskau, Berlin-New York. Berlin als „Mitte Europas&#8221; wurde von Politikern als Garantieformel dafür gebraucht, dass Berlin seine historisch verbürgten politisch-geographischen Rechte wieder übernehmen würde. Die Zukunft wurde aus der Vergangenheit deduziert. Die Mitte als natürliches Gravitationszentrum bedeutet eine apriorische Anziehungskraft, der man sich nicht entziehen kann. Die Mitte-Suggestivität funktionierte auch deshalb, weil sie so gut zu Berlins Geltungsbedürfnis passte. Die Wunden der geschundenen Insulaner brauchten den Balsam der Anerkennung ihrer Opferrolle. Sie reklamierten, für die privilegierten Westdeutschen die Stadt trotz aller Schwierigkeiten am Leben gehalten zu haben, und fanden eine Belohnung nur angemessen. Diesen geschundenen Seelen wurde nun das Versprechen zuteil, aus einer marginalen Lebenslage in den europäischen Lebensmittelpunkt zu rücken - endlich schauten die Völker der Welt auf diese Stadt!</em></p>
<p>Es ging auch um die Anerkennung der Hauptstadt Deutschlands als Zentrum Europas, weil diese Position durch die Osterweiterung der EU als prädestiniert galt für eine Mittlerfunktion. Doch der Zweite Weltkrieg und die Teilung Europas hatten eine Verschiebung aller Zentren nach Westen zur Folge. Deutsch war früher die Kultursprache Osteuropas, heute ist es Englisch. Der alte Traum, wieder stark nach Osteuropa auszustrahlen, hat sich aufgrund der historischen Transformationen verflüchtigt.</p>
<p><em>Wenn Berlin seine Rolle als „Mitte&#8221; ernst genommen hätte, hätte es dann nicht versuchen müssen, neue Verkehrsverbindungen, Tauschprozesse, Logistiken, Kontakte, Infrastrukturen forciert nach Osten zu entwickeln? Bis heute gibt es doch nicht einmal das Projekt eines Hochgeschwindigkeitszugs nach Warschau oder Prag.</em></p>
<p>Wenn man an alte Traditionslinien von Berlin über Wien nach Osteuropa denkt, an Elias Canetti, der die Donau noch als kulturellen Verbindungsfluss beschreibt (er selbst kommt aus Bulgarien, Teile der Familie leben in Frankreich, in Wien oder London), muss man sich eingestehen, dass es solche Familienverzweigungen über Europas Grenzen hinweg kaum mehr gibt. Heute gibt es informelle Verbindungen zwischen Menschen, die in London, Paris oder Berlin arbeiten und sich für Entwicklungen in Kunst, Musik und Clubkultur interessieren. Hierbei spielt Berlin eine Rolle. An die Stelle der „Mitte&#8221; treten andere Begegnungsweisen und Beziehungsformen, die sich mal konzentrieren und verdichten, mal auflösen und weiterwandern - ein fließendes System von Verbindungen, das eine Zeitlang eine Art von Mythos generieren kann: Jeder muss mal da gewesen sein, und nach einigen Jahren ist alles wieder verschwunden. Die Bareuphorie, die Club- und Tanzkulturen kommunizieren über Flyer, Internet, SMS-Mobs, temporäre Agglomerationen; das Bild der „Mitte&#8221; ist dagegen im 19. Jahrhundert angesiedelt. Diese neue Art flüchtiger Vernetzung und temporärer Konzentration früh in den Blick zu nehmen wäre spannend gewesen. Es hat sich ja etwas getan im Bereich der Kunst, der Musik, der Clubkultur, auch der Architektur. An den Rändern gibt es Verdichtungen, die hochinteressant sind, aber das hat nichts zu tun mit der starken Vorstellung einer kulturellen Metropole, die zusammenhängt mit wirtschaftlicher und politischer Macht.</p>
<p><em>Westberlin hatte vor der Einheit, um seinen logistischen Nachteilen als Insel entgegenzuwirken, Attraktionen und Angebote, um Menschen anzuziehen und zu binden. Liberalität bei der politischen Elite, Subventionspolitik für Investitionen und Arbeitskräfte, die Instrumentalisierung des öffentlichen Dienstes zur Absorption von Arbeitsuchenden: Positionen dort waren zumeist doppelt besetzt. Junge Männer mit Wohnsitz in Berlin waren vom Wehrdienst befreit; die Schwulenszene entfaltete ihre Anziehungskraft, und es gab eine Nachtkultur ohne Polizeistunde. In Berlin waren Sachen möglich, die es woanders nicht gab. Berlin hat die angezogen, denen ihre Herkunftsorte zu eng, zu spießig, zu kontrolliert waren, die frei sein wollten und glaubten, in Berlin endlich die freie Luft der einzigen deutschen Weltstadt atmen zu können.</em></p>
<p>In diesem Milieu entwickelte sich die Idee einer Revolutionierung des Subjekts, einer Wendung nach Innen. Es war klar: Die Stadt ist politisch und ökonomisch bedeutungslos und alimentiert. Die Veränderung fand in den Beziehungen statt, in Liebesbeziehungen, erotischen Beziehungen, Eltern-Kind-Beziehungen; man befasste sich mit der Innenansicht des Lebens, aber nicht im romantischen, sondern im gesellschaftspolitischen Sinne. Das war umwälzend, gerade für Minoritäten, die hier ziemlich unbehelligt leben konnten. Damit taucht in dem skurrilen Berlin eine neue Form von menschlichen Verbindungen auf: Beziehungsarbeit. Und Beziehungsarbeit kann gleichwertig neben die Erwerbstätigkeit treten.</p>
<p><em>(&#8230;)</em></p>
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		<title>Berlins ästhetische Wende</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Apr 2010 16:16:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Без рубрики]]></category>

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		<description><![CDATA[In den siebziger Jahren hatte man in Ostdeutschland die Nachkriegszeit überwunden. Der VIII. Parteitag der SED 1971 reagierte auf die veränderte Bedürfnislage der Bevölkerung, indem er die Produktion von Konsumgütern und die Steigerung des Lebensstandards zum politischen Ziel erklärte. Es wurde ein Wohnungsbauprogramm beschlossen, durch das in den folgenden zwanzig Jahren 2 Millionen Plattenbauwohnungen errichtet [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">In den siebziger Jahren hatte man in Ostdeutschland die Nachkriegszeit überwunden. Der <em>VIII. Parteitag</em> der SED 1971 reagierte auf die veränderte Bedürfnislage der Bevölkerung, indem er die Produktion von Konsumgütern und die Steigerung des Lebensstandards zum politischen Ziel erklärte. Es wurde ein Wohnungsbauprogramm beschlossen, durch das in den folgenden zwanzig Jahren 2 Millionen Plattenbauwohnungen errichtet wurden - die mit den entsprechenden Gardinen, Lampen, Tischen, Couchgarnituren, Tapeten, Haushaltsgeräten, Fernseh- und Radiogeräten eingerichtet werden wollten. So entstand ein Spielfeld für millionenfache Konsumentscheidungen, die aber weniger durch die Kaufkraft als durch das beschränkte Sortiment limitiert waren. Dieser Entwicklung konnte der real existierende Sozialismus nicht länger folgen. Er war prinzipiell nicht imstande, die grenzenlose Ausdifferenzierung von Konsumgütern durch Werbung, Mode, Verpackung und Design mit zu vollziehen; er konnte dem Arbeiter soziale Sicherheit bieten und ihn in den Stand eines Konsumbürgers versetzen, doch er war außerstande, die einmal geweckten Konsumwünsche auch zu erfüllen.</p>
<p><img class="alignleft" style="float: left;" src="http://www.bilder-hosting.de/img/HQTB7.jpg" alt="" width="400" height="303" />Der Grund hierfür ist nicht einfach, dass sich ein großes Produktsortiment nur in einer kapitalistischen Wirtschaft ausbilden kann, wo eine Vielzahl konkurrierender Firmen sich im Produktdesign von Konkurrenten unterscheiden wollen. Vielmehr müssen die Waren auch eine bestimmte ästhetische Qualität aufweisen, damit sie ihre Käufer finden. Ein Produkt muss so gestaltet sein, dass man genau dieses Produkt (im Unterschied zu allen vergleichbaren Produkten) auch <em>haben will</em>. Nicht die Planwirtschaft, sondern die Begehrensstruktur des „Habenwollens&#8221; - auf die das Produktdesign zielt - hat den Sozialismus ruiniert.</p>
<p>Zur Ausbildung einer Konsumkultur kommt es, wenn der Großteil einer Bevölkerung zu bescheidenem Wohlstand gelangt. Das Einkaufen dient nicht mehr nur der unmittelbaren Befriedigung von Grundbedürfnissen, sondern kann jetzt einen „höheren Sinn&#8221; gewinnen: Man kann mit dem Kauf - von Möbeln, Kleidung, Haushaltgeräten oder Autos - dem Leben eine individuelle Form verleihen. Eine Konsumgesellschaft lässt sich als Gesellschaft definieren, in der Kaufakte zu Akten der Lebensformgestaltung werden. Unter diesen Voraussetzungen wird die Industrie zunehmend versuchen, Produkte mit einem fiktionalen Mehrwert auszustatten. Doch woher weiß man, welche Käufergruppe auf welche Produktästhetik ansprechen wird? Durch Forschung, wie Wolfgang Ullrich sagt: <em>„Ohne Aufrüstung der Marktforschung hätte sich die Dingwelt viel geringer verändert; die Bemühungen wären mutmaßlich auf Gebrauchswertsteigerungen oder Effizienzzuwächse bei der Produktion, also auf attraktivere Preis-Leistungs-Verhältnisse konzentriert geblieben.&#8221;</em></p>
<p>Auch in der DDR gab es „Marktforschung&#8221;, was bemerkenswert ist, da diese in einer Gesellschaft ohne Marktwirtschaft operierte. Zu erwähnen wären in diesem Zusammenhang vor allem das <em>Institut für Marktforschung</em> in Leipzig, das auch eine Zeitschrift unter dem Namen <em>Marktforschung</em> herausgab, die aus Gründen der Geheimhaltung allerdings nicht öffentlich vertrieben wurde. Man hatte es mit einer Marktforschung innerhalb einer Planwirtschaft zu tun, von der man sich <em>„eine Planungshilfe zur &#8230;Versorgung des Verbrauchers mit Konsumgütern&#8221;</em> erhoffte. Diese veränderte Aufgabenstellung fand auch in der offiziellen Sprachregelung der DDR ihren Niederschlag: Man sprach nicht einfach von Marktforschung, sondern von einer <em>„Bedarfs- und Marktforschung&#8221;</em>. Der tiefere Sinn dieser Wortschöpfung lag darin begründet, dass der „Bedarf&#8221; als normativer Begriff gebraucht wurde. Man unterschied nämlich die Bedürfnisse in solche, welche <em>„den Erfordernissen der allseitigen Entwicklung der sozialistischen Persönlichkeit &#8230; entsprechen&#8221;</em>, von solchen, welche diesen Erfordernissen nicht gerecht wurden. Während die Marktforschung auf den Märkten des Westens jeden noch so idiosynkratischen Wunsch des Individuums aufzuspüren versucht, für den sich ein profitables Produkt entwickeln lässt, orientierte sich die sozialistische Marktforschung an den politisch legitimierten Bedürfnissen eines Kollektivsubjekts. Man fragte sich, was die „sozialistische Persönlichkeit&#8221; „haben wollen sollte&#8221;, und kümmerte sich wenig darum, was das Individuum begehrte.</p>
<p>Hinter dieser Ausrichtung der Marktforschung in der DDR verbirgt sich ein strukturelles Problem. Man braucht sich nur vorzustellen, wie sich die ästhetischen Präferenzen einer Bevölkerung erforschen lassen, die unter den Bedingungen des real existierenden Sozialismus lebt, und wie sich mit Hilfe solcher Studien ein neues sozialistisches Produktdesign kreieren lässt. In den siebziger und achtziger Jahren wurden die Korrelationen zwischen Konsumenten und Designpräferenzen vor allem durch soziologische und psychologische Ansätze erforscht. Im ersten Fall differenziert man Konsumenten nach sozialen Schichten oder sozialen Milieus. In der westlichen Marktwirtschaft lässt sich daraus schließen, dass die Oberschicht sich andere Uhren, Autos und Hunde kauft als die Mittelschicht und wie sich deren Geschmack von dem der Unterschicht unterscheidet. Wie aber sollte man mit einem solchen Modell in einer „klassenlosen Gesellschaft&#8221; arbeiten, die sich über die tendenzielle Aufhebung aller sozialen Unterschiede definierte? Allein die Hypothese, dass etwa Landarbeiter eine Unterschicht ausbildeten oder sich in der Parteinomenklatura eine neue Oberschicht manifestierte, konnte nur die Erfindung von Staatsfeinden sein.</p>
<p><em>&#8220;Die Menschen im Sozialismus litten aber an einem Entzug ästhetischer Qualitäten und konsumptiver Diversität, also an der Vielfalt der Wahlmöglichkeiten in bezug auf Produkte, Konsum und Reisemöglichkeiten. Das beeinträchtigt langfristig zu Teilen den Geschmack.&#8221;</em></p>
<p>Aber auch einfache Milieustudien, die zum Beispiel ästhetische Vorlieben von Arbeitern mit denen der Intelligenz verglichen, stießen auf strukturelle Widerstände einer Gesellschaft, die in einem Gemeinschaftsideal gegründet war. Die Einheit von Intelligenz und Arbeiterklasse war ein politisches Ziel, das man durch soziologische Analysen nicht einfach in Frage stellen konnte. Eine Marktforschung, die soziale Differenzierungen in einer Gesellschaft eruierte, der es um die historische Mission einer Aufhebung aller sozialen Unterschiede ging, war Systemkritik wider Willen. Selbst wenn es Untersuchungen gegeben hat, die aus sozialer Herkunft, Bildung und Einkommen Rückschlüsse auf den auseinanderdriftenden Bevölkerungsgeschmack zogen, so dürfte dieses politisch brisante Material meist im Giftschrank verschwunden sein. Designabteilungen, die sich an derartigen Konsumentenanalysen orientiert hätten, wären augenblicklich zu Zellen der Konterrevolution geworden. Mit solchem Geheimwissen entwickelte Produkte hätten nicht nur soziale Unterschiede sichtbar gemacht, sondern diesen zudem eine Kristallisationsfläche in der Warenwelt gegeben - und sie damit in der Gesellschaft verstärkt.</p>
<p>Selbst psychologische Studien, die den Lebensstil, moralische Werte, Zukunftserwartungen, existentielle Wünsche und Ängste der Bevölkerung abfragen, hätten den Staat in Frage gestellt. Sie hätten Tendenzen der Individualisierung ausgewiesen, die es nach dem kollektivistischen Selbstbild nicht oder nur als negative Abweichung von der Norm geben konnte. Insofern hätte auch die psychologische Marktforschung im Sozialismus politisch inkorrektes empirisches Material geliefert, das sich nur kontrafaktisch interpretieren ließ. Das Berufsbild des Marktforschers in der DDR sah deshalb auch etwas anders aus als im Westen: <em>„Ein Marktforscher [fungierte] in erster Linie als Wegbereiter und Analysator bereits eingeführter Produkte, statt auch initiativ an der Gestaltung des Neuen mitzuwirken.&#8221;</em><em></em>Die Schwierigkeiten mit einem Produktdesign unter sozialistischem Vorzeichen potenzieren sich noch einmal, wenn man bedenkt, dass avancierte Konsumstrategien im Westen die latenten Konsumwünsche nicht nur in soziologischen und psychologischen Modellen analysieren, um sie mit einem passenden Design abrufen zu können, sondern dieses das „Habenwollen&#8221; selbst zu formen versucht.</p>
<p>Solche Werbestrategien können keinen Geschmack <em>ex nihilo </em>kreieren, sondern sie orientieren sich an einer kleinen Konsumavantgarde, welche eine hippe, coole, trashige, manierierte oder nostalgische Ästhetik ausprobiert und leibhaftig zu Markte trägt. Der Antrieb zur ästhetischen Distinktion ist in der westlichen Jugendkultur besonders ausgeprägt, weil hier ein Motiv pubertärer Identitätsfindung mit einer Kultur der Individualisierung zusammentrifft. Entsprechend kommt es zur stets neuen Herausbildung von Subkulturen gegen die Mainstreamkultur, die ihren Mitgliedern Chancen zur Selbstfindung offerieren. Wer sich einen neuen Markt in der Modebranche erschließen will, setzt auf Trendscouts, welche das Entstehen solcher Subkulturen antizipieren, aus denen vielleicht später eine Jugendkultur hervorgeht, die ihrerseits die Massenkultur beeinflussen kann.</p>
<p>Die Konsumwünsche ihrer pubertierenden Jugendlichen stellten die DDR vor ein unlösbares Problem, denn man hätte sich ja an jenen halböffentlichen Milieus von Künstlern, Rockern, Umweltaktivisten, Fußballfans und Mitgliedern der <em>Jungen Gemeinde</em> orientieren müssen, die nur deshalb geduldet wurden, weil sie weitgehend unsichtbar blieben. Wer sich aus solchen Szenen hervorhob, wer in Kleidung, Frisur, Sprache und Umgangsformen die Toleranzgrenzen der sozialistischen Kultur provokativ überschritt, wurde als Außenseiter stigmatisiert. Wer es wagte, den ästhetischen Konsens mit der Gesellschaft aufzukündigen, war „asozial&#8221; - jemand, der sich selbst aus der Gesellschaft ausgeschlossen hatte und durch „Erziehungsmaßnahmen&#8221; wieder in die sozialistische Gesellschaft integriert werden musste. Besonders auffällige „Individuen&#8221; wurden nicht zum Abitur zugelassen, durften nicht studieren oder konnten für Bagatelldelikte in einen Jugendwerkhof eingewiesen werden. Ein Modedesigner in der DDR, der für fünfzehnjährige Jugendliche Jeans entwerfen wollte, hätte sich an den geschmacklichen Präferenzen von „Asozialen&#8221; orientieren müssen - was sich den Entscheidungsträgern schwerlich vermitteln ließ. Vielleicht gab es solche Entwürfe, vielleicht enthalten die Archive hier eine verborgene Geschichte des DDR-Designs - sie dürften praktisch aber nie weiter als bis auf den Schreibtisch eines Parteisekretärs gelangt sein. Welches Design zum Sozialismus passte, wurde durch <em>„designpolitische Beschlüsse von Partei und Regierung&#8221;</em> geregelt, deren Umsetzung und Einhaltung das <em>Amt für industrielle Formgestaltung</em> überwachte.</p>
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		<title>Produktion Berlin West 1980</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Apr 2010 19:29:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Admin</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[In Sichtweite der Berliner Mauer beginnt sich 1983 eine unsichtbare Vinylschallplatte zu drehen. Aus dem Fenster eines Arbeitszimmers in der Waldemarstraße kann man ein Stück der Mauer sehen. Sie teilt die Adalbertstraße in einen zu Berlin-Kreuzberg und einen zu Berlin-Mitte gehörigen Abschnitt. Eigentlich wird die Mauer erst ab dem Spätherbst sichtbar. Dann nämlich liegen die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">In Sichtweite der Berliner Mauer beginnt sich 1983 eine unsichtbare Vinylschallplatte zu drehen. Aus dem Fenster eines Arbeitszimmers in der Waldemarstraße kann man ein Stück der Mauer sehen. Sie teilt die Adalbertstraße in einen zu Berlin-Kreuzberg und einen zu Berlin-Mitte gehörigen Abschnitt. Eigentlich wird die Mauer erst ab dem Spätherbst sichtbar. Dann nämlich liegen die Blätter der Eschen, der Ahorn- und Akazienbäume des Bethanienparks am Boden. Schaut man links aus dem Fenster, kann man die Mauer auch im Sommer sehen. Denn hier berührt ihre Fortsetzung das Ende der Kreuzberger Waldemarstraße am Leuschnerdamm. Ihren Schatten wirft sie direkt in den Garten des Altberliner Traditionslokals Henne. Superzarte Milchmasthähnchen.</p>
<p><img class="alignleft" style="float: left;" src="http://www.bilder-hosting.de/img/H8X8T.jpg" alt="" width="376" height="289" />Die Westberliner subkulturelle Musik- und Kunstszene ist in den achtziger Jahren wenig an der merkwürdigen politischen Zweiteilung der Stadt interessiert. Falls überhaupt, wird damit nur an der Oberfläche gespielt, die Mauer als dekorativer Hintergrund oder die Zweistaatlichkeit als Teil einer absurden Collage: <em>Kebabträume in der Mauerstadt. Atatürk ist in der DDR der neue Herr</em>. Zu besetzt ist das Thema von kalten Kriegern, den Politikern in Ost- und Westberlin. Deren humorfreie, verbitterte Losungen schrecken ab. Angeregt vom Punkimpuls entwickelt sich um 1978 in Westberlin, aber auch parallel im Ostteil der Stadt, eine überaus vielfältige, lustvolle, oft amüsante und genial-dilettantische Kulturszene. Sie nimmt sich des Alltags, des Unmittelbaren, der aktuellen Realität an. Es ist eine sich als autonom empfindende Szene, mit illegal betriebenen Bars, Clubs, selbstproduzierten Fanzines, Super-8-Kinos, Bands und eigenen Kleinlabels in besetzten Häusern. Am 4. September 1981 findet in einem Zirkuszelt an der Mauer, dem Tempodrom, ein <em>Festival der Genialen Dilletanten</em> statt. Über tausend Zuschauer sehen Bands, von denen viele erstmals überhaupt auf der Bühne stehen. Sie proben live. Die echte Christiane F. spielt als Christiane X. Bassgitarre, der spätere Technopionier WestBam und der Erfinder der Loveparade Dr. Motte spielen in Bands wie <em>Kriegsschauplatz Tempodrom</em> und <em>DPA</em>, die <em>Einstürzenden Neubauten</em> singen mit Gudrun Gut von zuckendem Fleisch. Und Dagmar Dimitroff präsentiert für meine Band <em>Die Tödliche Doris</em> am Schlagzeug einen Perückenhaarbikini.</p>
<p>Der Westberliner Senat nimmt diese ständig wachsende Szene als „Parallelgesellschaft&#8221; wahr. Was sie zumindest von dieser wissen: Unsere Wähler werden das nicht sein. Später erfindet der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen das Wort „Antiberliner&#8221;: Er sucht nach Schuldigen für seine stümperhafte, provinzielle gescheiterte Olympiabewerbung. Das regierende politische Westberlin ist die Welthauptstadt kleinkrämerischer Provinz und Kungelei. Aber irgendwann bemerkt dieser Sumpf, dass eine magische Anziehungskraft von der „alternativen&#8221; Szene auszugehen scheint - weit über die Stadt hinaus. Die Integrationsbemühungen der Provinzpolitiker münden in die Etablierung eines „Senatsrockbeauftragten&#8221;. Über dessen hilflosbemühte Offenheit lachen sich die Punks schlapp in Manfred Jelinskis auf Super-8 gedrehtem Dokumentar- und Kinofilm <em>So war das S.O. 36</em>. Das SO 36 ist ein altes Kino, umgebaut zum Konzertort, eine große rechteckige Schachtel, gelegen in der Kreuzberger Oranienstraße. Es ist einer dieser Orte, an denen sich die „Antiberliner&#8221; einfinden: Punks, Mods, Alternative, Industrial- und Elektronikfans, Politanarchos, Lesben, Schwule, Transvestiten, Müslis und Self-Made-Künstler. Auch Westberlin ist zweigeteilt. Mindestens.</p>
<p>In dieser Atmosphäre entwickelt <em>Die Tödliche Doris</em> eine neue Wunderwaffe gegen den alles verschlingenden Kapitalismus: eine entmaterialisierte Vinyllangspielplatte, die keine Firma kaufen oder herstellen kann - weder eine staatliche noch eine private. Mit einem Kommilitonen um Nikolaus Utermöhlen von der <em>Berliner Hochschule</em> der Künste wurde 1980 die Band gegründet. Ihr schließt sich einige Monate darauf zunächst die Kunststudentin Chris Dreier an. Vor allem im experimentellen Musikbereich, bei den <em>Genialen Dilletanten</em>, lassen sich in dieser Zeit künstlerische Ideen umsetzen, welche Genregrenzen oder Schubladen ignorieren und in Zwischenbereichen forschen. Der Westberliner Kunstbetrieb ist - mit Ausnahmen - völlig hermetisch und folgt den alten Traditionen. Realistische Malerei ist hip: wilder Neoexpressionismus im Westen - sozialistischer Realismus im Osten. Wie ähnlich sie sich im Grunde sind.</p>
<p>Bereits nach dem ersten öffentlichen Auftritt 1980 vor zwanzig Zuschauern im besetzten Kulturzentrum Kuckuck - sie haben gerade mal vier kurze Lieder im Programm - wird ihnen ein Plattenvertrag angeboten. Es ist also kein Gerücht: Alfred Hilsberg vom Hamburger Independent-Label ZickZack produziert tatsächlich alles, was ihm oder seinem Agenten vor die Flinte läuft.</p>
<p>Die große Resonanz, vor allem aus dem Ausland. Das überrascht uns. Bald erreichen sie Anfragen aus den USA, aus Japan, Finnland, selbst aus Polen und Ungarn. Inzwischen, ist <em>Die Tödliche Doris</em> zur <em>Pariser Biennale XII </em>ins <em>Musée d&#8217;Art moderne </em>eingeladen, um dort mit den <em>Einstürzenden Neubauten</em> den Westberliner Underground zu repräsentieren. Sie zeigen vor dem Konzert ihren ersten Super-8-Film <em>Material für die Nachkriegszeit - Dokumente aus dem Fotomatonautomaten von 1979</em>, den Ursprung des <em>Doris</em>-Konzeptes. Aus der Verschiedenheit weggeworfener, zerknüllter oder zerrissener Porträts unbekannter Menschen, die wir neben den Passbildautomaten finden, entsteht das brüchige Bild einer schönen Unbekannten: <em>Die Tödliche Doris</em>. Sie ist konkret benannt und doch zugleich ungreifbar. Sie ist da und zugleich abwesend. Sie ist ernst und witzig, nah und fern - alles zugleich, aber nie gleichzeitig, sondern strikt nebeneinander. Sie ist klug und gleichzeitig dumm, naiv und unbewusst. Sie ist wir, und ich bin du. <em>Doris&#8217;</em> Identität konstituiert sich aus ihren Verschiedenheiten. Und deshalb wird ihre erste Verkörperung in Form einer schwarzen Vinylschallplatte 13 Musikstücke enthalten, die Seriöses gleichberechtigt neben Unseriöses stellt. Fröhliches folgt unvermittelt Ernstem, und Krankes wird neben Gesundem stehen. Alle Gegensätzlichkeiten direkt nebeneinander. So formt sich <em>Doris&#8217;</em> Persönlichkeit, so bildet sich ihre Identität. Auf dem Cover trägt unsere erste Langspielplatte den Schriftzug <em>Die Tödliche Doris</em>. Im Beiheft <em>Boingo Osmopol</em> erfährt der Käufer, dass der eigentliche Titel der Langspielplatte aus zwei Anführungszeichen besteht. Es sind die gleichen faszinierenden Anführungszeichen, die der Axel-Springer-Verlag in seinen Zeitungen <em>BILD</em>, <em>BZ</em> und <em>Berliner Morgenpost</em> einsetzt, um seine Haltung zur DDR zu markieren. Die sogenannte DDR, die „DDR&#8221;, die Unanerkannte. Ja, <em>Doris</em> ist auch ein bisschen wie die DDR, zwar nicht anerkannt, aber doch, ob geliebt oder nicht, ir-gendwie existent. <em>Die Tödliche Doris</em> ist natürlich nicht die DDR, will sie auch auf keinen Fall sein. Schon weil <em>Doris</em> ja in Westberlin lebt, Luxus mag und auch ein bisschen auf den Strich geht.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Doris</em> ist vielleicht ein Gänsefüßchen für den Westberliner Kultursenat, für die ganz auf Berliner Realismustradition setzenden Kunsthallen und Galerien, aber auch ein Gänsefüßchen für fest überzeugte DDR-Grenzbeamte. Westberlin ist nämlich offiziell kein Teil der BRD. Es ist besetzte, entmilitarisierte Zone. Und seine Bewohner sind mit kleinen grünen „Behelfsmäßigen Ausweisen&#8221; ausgestattet. Achtung, Achtung: Den DDR-Beamten am Grenzübergang keinesfalls gleichzeitig den BRD-Pass und den Berliner Ausweis reichen! Einer der beiden würde dann konfisziert. Weil es bei den Grenzern <em>Entweder-Oder</em> heißt und nicht <em>Sowohl-Als Auch</em>. Und <em>Die Tödliche Doris</em> ist sowohl-als auch. Brutal und zärtlich beispielsweise und mehrgeschlechtlich dazu.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Seminar zur Landeskunde und Literatur: Berliner Ansichten.</strong></p>
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		<title>Berliner Zitate</title>
		<link>http://daummer.com/2010/04/07/berliner-zitate/%</link>
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		<pubDate>Wed, 07 Apr 2010 09:24:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Без рубрики]]></category>

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		<description><![CDATA[Seminar zur Landeskunde und Literatur: Berliner Ansichten. Berlin im Auge des Betrachters. Stimmen aus sieben Jahrhunderten.
Berlin riecht man im Umkreis von 9 Kilometern.
Carl von Linné (1707-1778)
Man spricht soviel von den Berlinern und ihrem Charakter. Das heißt wohl nichts mehr als von den Bewohnern Berlins. Denn die echten Berliner sind sparsam zu finden, und diese Stadt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Seminar zur Landeskunde und Literatur: Berliner Ansichten. Berlin im Auge des Betrachters. Stimmen aus sieben Jahrhunderten.</strong></p>
<p><em><img class="alignleft" style="float: left;" src="http://www.bilder-hosting.de/img/GGO0D.jpg" alt="" width="275" height="271" />Berlin riecht man im Umkreis von 9 Kilometern.</em><em><br />
</em>Carl von Linné (1707-1778)</p>
<p><em>Man spricht soviel von den Berlinern und ihrem Charakter. Das heißt wohl nichts mehr als von den Bewohnern Berlins. Denn die echten Berliner sind sparsam zu finden, und diese Stadt ist mehrenteils mit Ausländern ausgefüllt, die ein buntes Gemisch darstellen.</em><br />
Anton Balthasar König (1753-1814)<br />
 <br />
<em>Berlin ist eine gute Stadt - vortreffliche Musik, billiges Leben, sehr anständiges Theater, in den Konditoreien viele Zeitungen, und ich lese sie alle der Reihe nach - mit einem Worte, alles gut, sehr gut. - Die Deutschen sind schreckliche Philister. Wäre der zehnte Teil ihres reichen geistigen Bewußtseins ins Leben übergegangen, so wären sie herrliche Leute, bis jetzt sind sie, ach! Ein höchst lächerliches Volk! Auf einer [Inschrift] ist der preußische Adler gemalt und unter ihm ein bügelnder Schneider; unter dem Schneider steht: Unter deinen Flügeln kann ich ruhig bügeln.</em><em><br />
</em>Michail Bakunin (1814-1876)</p>
<p><em>Der Berliner ist grob, zanksüchtig, ohne Sentimentalität, eitel, exklusiv. Mit Berlin und dessen Weise ist für den Berliner alles erschöpft; er hat keinen Maßstab als diesen. Er weiß nicht nur alles, sondern er weiß alles besser; alles, was anders ist, ist schlecht.<br />
</em>Heinrich Laube (1806-1884)</p>
<p><em>Berlin ist ein botanischer Garten, alle Geistesarten Deutschlands werden hier angebaut, freilich nicht immer naturwüchsig, ungekünstelt, sondern in Töpfen, mit Heizung. Alles und jedes wird hier präparirt, auf Flaschen gezogen, in Spiritus aufbewahrt.</em><em><br />
</em>Gustav Kühne (1806-1888)</p>
<p><em>Mit der Terrainspekulation fing&#8217;s an. Fraglos, so kalkulierte man, würde sich die ganze Provinz jetzt nach der Reichshauptstadt drängen und dieser vermeintliche Riesenzuwachs erfordere Tausende neue Häuser mit zehn-, mit zwanzigtausend Wohnungen. Die Bauwut, diese irrsinnige Bauwut kam über Berlin. (&#8230;) Es wurde drauflos „gegründet&#8221;, was das Zeug halten wollte. Banken mit Protzenbauten, Hypotheken- und Produktenbanken, Eisenbahnen und Tapeten, Spinnereien und Leder, Petroleum und Wellblech, Dampfziegeleien und Schiffswerften, Baugesellschaften, Bauvereine und Immobilien: alles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde „gegründet&#8221;. Und alle, alle flogen sie ans Licht, und alle tanzten mit in dieser Hetzgaloppade um das angebetete goldene Kalb: der gewitzte Kapitalist und der unerfahrene Kleinbürger, der General und der Kellner, die Dame von Welt, die arme Klavierlehrerin und die Marktfrau, man spekulierte in den Portierlogen und in den Theatergarderoben, in dem Atelier des Künstlers und im stillen Heim des Gelehrten &#8230;</em><em><br />
</em>Felix Philippi (1851-1921)</p>
<p><em>Am Wannsee erlebte ich eine große Überraschung. (&#8230;) Was für ein Schauspiel! (&#8230;) Splitternackte Kinder, Männer, halbwüchsige Burschen, die größeren nur in der Badehose oder mit vorgebundenem Taschentuch, Frauen im Mieder oder Korsettschoner und Beinkleinern - das alles trieb sich da herum, tauchte ins Wasser und kam triefend wieder heraus. Ein Mensch in Badehosen, den runden Hut auf dem Kopf, rauchte beim Baden seine Pfeife, ein anderer hatte Vorhemd und Weste anbehalten! (&#8230;) Von den mindestens zwei- bis dreitausend Menschen, die sich hier zusammenfinden, denkt kaum einer daran, den andern beim Auskleiden zu beobachten. Kein verdächtiger Blick, kein zweideutiges Lachen, nicht einem ein Lächeln! Das nenne ich wahre Scham! Die Anständigkeit liegt hier sozusagen schon im Blick! Ich war einfach sprachlos! &#8230; hier stand ich mitten unter Hunderten von halbnackten Berlinerinnen &#8230; An solch herrlichen Sommertagen rufen die Kiefern mit ihren schlanken rotschimmernden Stämmen, die sich bis dicht an den See hinunterziehen, Erinnerungen an griechische Gestade wach, an eine Insel der Seligen, wo die Töchter der Hellenen beim Bade sich vergnügen. Aber es wäre grausam, das Bild weiter auszumalen &#8230; die Anatomie dieser Arbeitsmenschen beiderlei Geschlechts würde einem Vergleich mit den schönen griechischen Sklaven und den lieblichen Schwimmerinnen von Hellas nicht standhalten &#8230;</em><br />
Jules Huret (1863-1915)</p>
<p><em>Die Herren Berliner spekulieren mit mir wie mit einer prämierten Legehenne. Aber ich weiß nicht, ob ich noch Eier legen kann.</em><em><br />
</em>Albert Einstein (1879-1955)</p>
<p><em>Diese Stadt scheint mir keine Seele zu haben. Vielleicht weil ich ihre Gestalt nur von außen kenne.</em><em><br />
</em>Halide Edip Adivar (1884-1964)</p>
<p><em>Berlin ist das Hirn, in dem die Emotionen und Intuitionen, die Sehnsüchte und Ressentiments des deutschen Volkes mit wissenschaftlicher Exaktheit und journalistischem Schmiß formuliert werden. Die Metropole kreiert nicht: sie repräsentiert. Wenn das Berlin der Kaiserzeit die aggressive Dynamik des jungen deutschen Nationalismus säbelrasselnd zur Schau gestellt hatte, so spiegelte das Berlin der ersten Nachkriegsjahre mit demselben Eklat die apokalyptische Gemütsverfassung der besiegten Nation.</em><em><br />
</em>Klaus Mann (1906-1949)</p>
<p><em>Auf dem Weg nach Antwerpen durchquerte ich Hitler-Deutschland, wo ich ein paar Monate verweilte. Ich war zu Fuß von Breslau nach Berlin gekommen. Ich hätte gern gestohlen. Ein merkwürdiger Bann hielt mich ab. Deutschland flößte ganz Europa Schrecken ein, es war, vor allem in meinen Augen, zum Inbegriff der Grausamkeit geworden. Schon war es ausgestoßen. Selbst Unter den Linden hatte ich das Gefühl, durch ein von Banditen angelegtes Lager zu spazieren. Ich glaubte, das Hirn des gewissenhaftesten Berliner Bürgers verberge Pfunde von Heuchelei, Haß, Bosheit, Grausamkeit, Gier. Es wühlte mich auf, frei zu sein mitten in einem geächteten Volk. Sicher stahl ich auch dort wie anderswo, aber ich empfand dabei eine Art Verlegenheit - denn die innere Einstellung, die diese Handlungen beherrschte, war hier zur Bürgertugend erhoben - eine ganze Nation war damit vertraut und richtete sie gegen die anderen. „Dies ist ein Volk von Dieben&#8221;, fühlte ich. Wenn ich hier stehle, tue ich nichts Besonderes, wodurch ich mich auszeichnen könnte: ich gehorche nur der allgemeinen Ordnung. Ich zerstöre sie nicht. Ich störe nicht. Der Skandal ist unmöglich. Ich stehle ins Leere. Mir schien, daß sich die Götter, die über die Gesetze wachen, nicht empörten, nur erstaunt waren. Ich schämte mich. Vor allem aber wünschte ich, in ein Land zurückzukehren, wo die Gesetze der geläufigen Moral, auf die sich das Leben gründet, Gegenstand eines Kults sind. In Berlin wählte ich, um zu leben, die Prostitution. Sie befriedigte mich ein paar Tage, dann langweilte sie mich.</em><em><br />
</em>Jean Genet (1910-1986)</p>
<p><em>Früher Musterlager für Nordeuropa, jetzt Vorbild von Schutt, zerstörtem Karthago und den sich auflösenden Riesenmetropolen aus den Urwäldern von Saigon. Geologie der Völker, Geschichtsgewalten! Von hängenden Gärten und Löwentoren zu grauer Grenzstadt, durch die die östlichen und die westlichen Karawanen zogen. Staubstürme im Sommer, mannshohe Brennessel auf den Trottoirs und, wo einst die schnittigen Verkehrsmittel fuhren, mähten sie nachts heimlich Gras für das in den Stuben verborgen gehaltene Vieh. Eine Million menschenähnlicher Lebewesen noch in den Trümmern, doch alle ohne Beruf, hinter vernagelten Fenstern, Ratten in den Lauben. Ein Gemeinwesen! Jetzt im Winter schritt ich abends manchmal durch den Schnee aufmerksam in der Mitte der Straßen, vor Frost und Windstärken barsten die Ruinen. (&#8230;) Hier ist immer noch Winter u. alles hoffnungslos. Die Magistrate verkriechen sich hinter die Allierten, dese hinter die Elemente, diese hinter das Hochland von Tibet, diese hinter den Dalai Lama u.s.w. u. wir gehen vor die Hunde.</em><em><br />
</em>Gottfried Benn (1886-1956)</p>
<p><em>Die Betrachtung der Berliner Mauer, aus einem Gesichtswinkel, der allein die Proportion dieses Bauwerks berücksichtigt, dürfte doch wohl erlaubt sein. Entschärft sofort die Mauer. Durch inneres Lachen. Vernichtet die Mauer. Man bleibt nicht mehr an der physischen Mauer hängen. Es wird auf die geistige Mauer hingelenkt, und diese zu überwinden, darauf kommt es wohl an. (&#8230;) Spontan entstehende Frage: Welches Wesensglied in mir oder anderen Menschen hat dieses Ding entstehen lassen? Wieviel hat jeder von uns zum Möglichsein dieser Mauer beigetragen und trägt weiter bei. Ist jeder Mensch ausreichend am Verschwinden dieser Mauer interessiert? Welche antiegoistische, antimaterialistische, welche wirklichkeitsgemäße geistige Schulung bekommt der junge Mensch, diese jemals zu überwinden? Quintessenz: die Mauer als solche ist völlig unwichtig. Reden Sie nicht soviel von der Mauer! Begründen Sie durch Selbsterziehung eine bessere Moral im Menschengeschlecht, und alle Mauern verschwinden.</em><em><br />
</em>Joseph Beuys (1921-1986)</p>
<p><em>Ich habe in allen westlichen Hauptstädten Lieder geschrieben und jedes Mal erreichte ich den Punkt, an dem es zwischen mir und der Stadt keine Reibung mehr gab. Die Sache wurde nostalgisch, vage dekadent, und ich brach zur nächsten Stadt auf. Im Augenblick bin ich nicht imstande, in Los Angeles, New York oder in London oder Paris zu komponieren. Irgendetwas fehlt. Berlin hat die seltsame Fähigkeit, einen dazu zu bringen, nur die wichtigen Dinge zu schreiben - alles andere erwähnt man gar nicht, man bleibt still, schreibt gar nichts.</em><em><br />
</em>David Bowie (1947)</p>
<p><em>Integriert hat sich in Berlin keiner. Berlin ist und war nie Schmelztiegel für irgendetwas. Wer in Berlin lebt, lernt einfach, daß es den anderen gibt. (&#8230;) Zurückgekehrt zur Erde ist man erneut überrascht, daß in Berlin immer noch jeder ein Experte für alles sein will. Aber in Berlin sind andererseits auch Aussagen so bedeutungslos wie nirgends sonst. Die Berliner Universitäten ersticken in ihrer selbstverschuldeten Administration und bringen dennoch moderne akademische Modelle hervor, in Berlin herrscht lähmende Subventionsmentalität und dennoch zieht es jene an, die innovativ sind. Berlin leistet verbalen Widerstand gegen seine Mauer und kritisiert gleichzeitig jene, die etwas dagegen taten oder tun, es läßt seine Kneipen die Nächte hindurch offen und beschwert sich über deren Lärm. Es schimpft über den Krach der Flugzeuge und kritisiert dennoch, daß Tempelhof an Tegel abgab. Auf den Berliner Seen dümpeln Yachten, die für Ozeane taugen, seine Eissegler fegen über die zugefrorene Havel, als wäre hier Masuren, und die Husky-Clubs verwechseln den Standort der Stadt mit der anderen Seite des Polarkreises. Die Berliner Schickeria ist elitär, obwohl es sie gar nicht gibt.</em><em><br />
</em>Reinhard Furrer (1940-1995)</p>
<p><em>Paris is always Paris and Berlin is never Berlin!</em><em><br />
</em>Jack Lang (1939)</p>
<p><em>Berlin ist eine Insel ohne Möwe</em>.<br />
Gültekin Emre (1951)</p>
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		<title>Frohe Ostern!</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Apr 2010 06:21:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Admin</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Ostern naht mit großen Schritten und nicht nur unsere Kinder, sondern auch viele Erwachsene sind schon ganz heiß darauf Ostereier zu bemalen und Osternester zu basteln. In Deutschland wird Ostern traditionell mit versteckten Ostereiern, Osterhasen, einem Osterzopf , mancherorts dem Osterfeuer und geschmückten Ostergärten begangen - und es ist neben Pfingsten und Weihnachten, das wichtigste [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Ostern naht mit großen Schritten und nicht nur unsere Kinder, sondern auch viele Erwachsene sind schon ganz heiß darauf Ostereier zu bemalen und Osternester zu basteln. In Deutschland wird Ostern traditionell mit versteckten Ostereiern, Osterhasen, einem Osterzopf , mancherorts dem Osterfeuer und geschmückten Ostergärten begangen - und es ist neben Pfingsten und Weihnachten, das wichtigste Fest im Kirchenjahr. Hier finden Sie die wichtigsten Informationen darüber.</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><img style="vertical-align: text-top;" src="http://www.bilder-hosting.de/img/GIUL3.jpg" alt="Ostereier" width="468" height="311" /></p>
<p style="text-align: justify;"><strong></strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong></strong><strong></strong></p>
<h4 style="text-align: justify;">Der Osterhase</h4>
<p style="text-align: justify;">Der Hase ist das Tier der Liebesgöttin Aphrodite, sowie der germanischen Erdgöttin Holda. Er ist aber nicht nur Götterbote, er ist auch - wie das Ei - ein Zeichen für Leben und Fruchtbarkeit.</p>
<p style="text-align: justify;">Hasen bekommen im Frühjahr sehr viele Jungen, das heißt, sie schenken Leben. Sahen die Menschen früher die Hasenmütter mit ihren Jungen, wussten sie, dass der Winter vorüber war.</p>
<p>In Byzanz war der Hase in der Tiersymbolik ein Symbol für Christus.</p>
<p>Jeder kennt Ihn als den Überbringer der Ostereier, nach denen Kinder zum Frohsinn der Erwachsenen so eifrig suchen. Doch nicht immer versteckte der Osterhase die Eier. Noch im vorigen Jahrhundert war der eierlegende Osterhase in einigen Teilen Deutschlands völlig unbekannt.</p>
<p>Bis zum 16. Jahrhundert wurden die Ostereier von verschiedenen Tieren gebracht. In einigen Regionen kam der Fuchs oder der Hahn, in anderen der Storch, der Kuckkuck, der Kranich oder der Auerhahn, um die Ostereier zu verstecken.</p>
<p>Erste Belege für den Osterhasen stammen aus dem Jahre 1678 von Georg Franck aus Franckenau, einem Medizinprofessor aus Heidelberg.</p>
<p style="text-align: justify;"> </p>
<h4 style="text-align: justify;">Warum bringt der Osterhase die Ostereier ?</h4>
<p style="text-align: justify;">Der Hase kommt im Frühjahr auch vermehrt zur Futtersuche in die Dörfer und Gärten. Und aufgrund seines Verhaltens, sich in der Nähe von Menschen aufzuhalten, wurde ihm vermutlich das Ablegen der Ostereier angedichtet.</p>
<p>Aus alten Aufzeichnungen aus Zürich geht der Osterhase als überbringer der Ostereier folgendermaßen hervor:</p>
<p>Es ist von den Paten der Brauch gewesen, Kinder einzuladen, um mit ihnen den Osterhasen zu jagen, d.h. es wurden die im Garten versteckten Eier gesucht. Die bunten Eier wurden dabei dem Osterhasen zugeschrieben, weil er viel schneller als die Hennen war, und diese keine bunten Eier legen konnten. Dieser Brauch ist also eher dem Erklärungsnotstand der Erwachsenen gegenüber den Kindern zuzuweisen, denn der Osterhase war glaubhafter als Überbringer der Ostereier als die Hennen.</p>
<p>So kamen warscheinlich im Laufe der Zeit der Osterhase und die Ostereier zusammen. Heute bringt er in seiner Kiepe die bunt bemalten Eier und Schleckereien.</p>
<p>Es gibt auch Vermutungen, der Osterhase sei eher aus Versehen der Osterbote geworden. Der Versuch der Bäcker, ein Osterlamm aus Teig zu backen, habe letztlich eher wie ein Osterhase ausgesehen&#8230;</p>
<p>Auch der Termin des Osterfestes lässt einen Bezug zum Osterhasen zu. Das Fest wird am ersten Sonntag des Frühlingsvollmondes gefeiert und der Hase gilt als Mondtier.</p>
<p>Es ist ebenfalls überliefert, dass der Gründonnerstag als Zahlungs- und Zinstermin für Schulden galt. Die Gläubiger Zahlten oft mit Eiern und Hasen. Eine weitere Überlieferung besagt, dass der Schuldner bei Bezahlung seiner Schulden ein freier Mann ist, der mit einem Hasen verglichen wurde, der nicht von einem Hund gejagt wird.</p>
<p><img style="vertical-align: text-top;" src="http://www.bilder-hosting.de/img/GIWYK.jpg" alt="Osterbaum" width="800" height="537" /></p>
<p style="text-align: justify;"> </p>
<h4 style="text-align: justify;">Das Osterfest</h4>
<p style="text-align: justify;">Ostern ist neben Pfingsten das älteste und es ist das höchste Fest der Christenheit. Seine Wurzeln liegen im jüdischen <strong>Passah</strong> (Pessach)-Fest. Das deutsche Wort „Ostern&#8221; leitet sich vom indogermanischen Wort für „Morgenröte&#8221; ab. Die Osterzeit beginnt mit dem Os­ter­morgen und endet 50 Tage später mit Pfingsten.</p>
<p style="text-align: justify;">Bis zum 3. Jahrhundert feierte man Ostern als einen Festtag, im 3. Jahrhundert wurde dann die Woche vorher, die Karwoche, als Vorbe­reitungszeit zur Fastenzeit; im 4. Jahrhundert wurden die „drei heiligen Tage&#8221; von Gründonnerstag Abend bis Ostersonntag Morgen als Höhepunkt des Kirchenjahres eingeführt.</p>
<p style="text-align: justify;">Das 1. Konzil von Nicäa legte fest, dass der Ostersonntag am <strong>1. Sonntag nach dem 1. Vollmond</strong> nach Frühlingsanfang gefeiert wird. Daraus ergibt sich, dass der Ostersonntag nach dem im Westen gültigen gregorianischen Kalender frühestens am 22. März, spätest­möglich am 25. April stattfindet. Die orthodoxen Kirchen berechnen Ostern nach dem julianischen Kalender (=&gt; Kalenderwesen), der gegenüber unserem gregorianischen derzeit um 13 Tage zurückhinkt. Nach orthodoxer Tradition darf Ostern außerdem nicht vor oder zusammen mit dem jüdischen Passahfest gefeiert werden. Deshalb feiern orthodoxe und westliche Kirchen das Osterfest meist an unterschiedlichen Sonntagen.</p>
<p style="text-align: justify;">Traditionell wird in orthodoxen und katholischen Kirchen, zunehmend auch in protestantischen, die <strong>Osternacht</strong> gefeiert. Die Liturgie der Osternachtfeier besteht traditionell aus vier Teilen:</p>
<p style="text-align: justify;">Die <strong>Lichtfeier</strong> hat neben dem „Halleluja&#8221;-Ruf das Licht als wichtigsten Bestandteil. Meist erhalten die Gottesdienstteilnehmer bereits am Eingang der Kirche eine Kerze, die dann an der „Osterkerze&#8221; entzündet wird. Gelegentlich wird sogar ein richtiges „Osterfeuer&#8221; entfacht. Solche Feuer wurden bereits in heidnischer Zeit praktiziert: man versuchte, mit diesem Frühlingsfeuer die Sonne magisch auf die Erde herab zu ziehen. Die ersten christlichen Osterfeuer gab es um 750 in Frankreich, seit dem 11. Jahrhundert sind sie im deutschsprachigen Raum verbreitet. Auch Flammenräder ließ man von Hügeln hinabrollen. Heute steht die Osterkerze im Mittelpunkt der Osternachtfeier. Erstmals erwähnt wurde eine Osterkerze 384 in Piacenca in einem Brief von Hieronymus. Spätestens 417 gebrauchte sie Papst Zosimus in Rom. Im 10. Jahrhundert etablierte sich die Osterkerze; sie brennt während der ganzen Osterfestzeit bis Pfingsten. Danach wird die Kerze neben den Taufstein gestellt und brennt bei Taufen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Taufe bzw. Tauferneuerung</strong>: Im 4. Jahrhundert wurde die Osternacht zur großen Taufnacht der Kirche, dadurch entstand die Verbindung von Ostern und Taufe. In der katholischen Kirche weiht der Priester in der Osternacht das Taufwasser für das ganze Jahr. Die Gläubigen nehmen das geweihte Wasser mit nach Hause, es soll sie zuhause ebenso so wie ihre Häuser vor Unheil schützen.</p>
<p style="text-align: justify;">Die <strong>Eucharistie:</strong> Eucharistie - von griechisch ευχαριστειν, &#8220;Dank sagen&#8221; - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen die Mahlfeier im Anschluss an 1. Kor 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von &#8220;Abendmahl&#8221; im Anschluss an Mark 14, 17 und 1. Kor 11, 23.- (Abendmahls-)feier als Vergewisserung der Gegenwart des Auferstandenen Christus.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein Teilablass wird demjenigen Gläu­bigen gewährt, der sein Taufver­spre­chen nach einer dafür vorgesehenen Formel erneuert; geschieht dies während der Feier der Qsternacht oder am Jahrestag der Taufe, so kann ein vollkommener Ablass gewonnen werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Das <strong>Lamm</strong> - oder eine junge Ziege - ist Symbol der Wehrlosigkeit gegen wilde Tiere, den Scherer und den Schlächter, es ist das klassische Opfertier im Alten Testament. Auch Jesus Christus wird als Lamm bezeichnet: „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt&#8221; (Johannes­evangelium 1, 29). Im christlichen Altertum legte man Lammfleisch unter den Altar. Es wurde geweiht und am Auferstehungstag als erste Speise verzehrt.</p>
<p style="text-align: justify;">Im 12. Jahrhundert wurden erstmals nachweislich <strong>Eier</strong> geweiht. Eier gelten seit jeher als Fruchtbarkeitssymbol; im Mittelalter waren sie als Zahlungsmittel bedeutend. Sie wurden zum Symbol der Auferstehung Christi, weil seine Auferstehung aus dem Grab dem Schlüpfen der Küken aus der Schale verglichen wurde. Neben Eiern wurden bald auch Schinken, Milchprodukte und Brot zur Weihe gebracht. Man wollte die lange Fastenzeit mit dem Verzehr der geweihten Speisen würdig beenden.</p>
<p style="text-align: justify;">Im 13. Jahrhundert werden erstmals bemalte <strong>Ostereier</strong> erwähnt. Nach den Fastenvorschriften war der Verzehr von Eiern in der Karwoche untersagt; die Hennen legten trotzdem, die Eier wurden gelagert; am Ostermorgen war dann der Eierkonsum besonders hoch. Man beschloss, diese gesammelten „Karwochen-Eier&#8221; zu bemalen und weihen zu lassen, damit sie sich von gewöhnlichen Eiern unterscheiden. Eine Färbung der Eier ist 1615 durch einen Straßburger Handwerksmeister belegt, die kunstvolle Bemalung der Eier war vor allem in Osteuropa verbreitet.</p>
<p style="text-align: justify;"><img style="vertical-align: text-top;" src="http://www.bilder-hosting.de/img/GJ09T.jpg" alt="Frohe Ostern!" width="375" height="249" /></p>
<p style="text-align: justify;">Evangelische Familien entwickelten im 17. Jahrhundert den <strong>Osterhasen</strong> als Eierlieferanten, erstmals erwähnt um 1680 im Elsass von dem Mediziner Georg Franck von Frankenau. Er sollte die Eier bemalen, verstecken und legen. Damit wollten die Protestanten sich von den Katholiken distanzieren, deren Fastenbräuche und Eierweihe sie ablehnten. Der Osterhase ist Symbol für Ostern und neues Leben wegen seiner Fruchtbarkeit - besonders im Frühling - und weil er mit offenen Augen schläft. Auch der Hahn brachte in manchen Gegenden die Eier, in der Schweiz der Kuckuck, in Westfalen der Fuchs, in Thüringen der Storch. im fränkischen Ansbach wurde 1757 angeblich ein eierlegender Hase gefangen und darüber rein Protokoll verfasst. Erst im 19. Jahrhundert konnte sich der Osterhase überall durchsetzen.</p>
<p style="text-align: justify;">Aus Polen stammt der Brauch der <strong>Speisensegnung</strong>. Am Karsamstag oder zu Ende der Osternacht-Feier werden in katholischen und einigen orthodoxen Kirchen Speisen gesegnet, die die Gläubigen in Körben mitgebracht haben und die dann zum Frühstück am Ostersonntag im Kreis der Familie verzehrt werden .</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Bauernregeln:</strong> „Osterregen bringt magere Kost, /Ostersonne fette und reichliche.&#8221;<br />
„Wenn&#8217;s am Ostertag auch regnet am wingsten, / so regnet&#8217;s alle Sonntag bis Pfingsten.&#8221;<br />
„Wenn&#8217;s Ostern regnet, ist die Erde den ganzen Sommer über durstig.&#8221;<br />
„Ein Wind, der von Ostern bis Pfingsten regiert, / im ganzen Jahr sich wenig verliert.&#8221;<br />
„Wenn Ostern auf Georgi fällt, / erwartet großes Weh die Welt.&#8221;<br />
„Ostern im März verspricht ein gutes Brotjahr.&#8221;</p>
<p style="text-align: justify;">Weitere interessante Einzelheiten gibt es auch an dieser Stelle:</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="http://daummer.com/?p=53"><span style="color: #800000;">http://daummer.com/?p=53</span></a></p>
<p style="text-align: justify;"> </p>
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